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Botanischer Garten München-Nymphenburg

Alte Heilkräuter und Gewürze – wieder entdeckt

Nachdem Pflanzen als Heilmittel lange Zeit nur wenig beachtet worden waren, zeichnet sich nun ein auffälliger Wandel ab. Altes Kräuterwissen wird aufgegriffen, und immer mehr Leute interessieren sich für die arzneilichen Eigenschaften und die Verwendungsmöglichkeiten von Pflanzen im Gesundheitsbereich.

In der Führung von Frau Sabine Kapsecker lernen Sie einige traditionelle oder fast vergessene Heilpflanzen kennen und erfahren etwas über die Hintergründe verschiedener Heilmethoden, wie der Homöopathie, der Bachblüten und der Schulmedizin. Auch über die Art der Anwendung und über Risiken und Nebenwirkungen informiert Frau Kapsecker.

 

Convallaria majalis 1

Eine unserer anmutigsten Frühjahrsblumen ist das Maiglöckchen, Convallaria majalis. Es ist leicht an seinen freudig grünen, spitz zulaufenden Blättern und den weißen, kugelig-glockenförmigen Blüten zu erkennen, die in einer einseitswendigen, 5- bis 13-blütigen Traube stehen. Der Duft der Blüten ist unverkennbar.

 

Convallaria majalis 2

Das Maiglöckchen kommt in fast ganz Europa, im gemäßigten Asien und in Nordamerika vor. In Mitteleuropa findet man es häufig, meist in lichten Laub- und Nadelwäldern. Convallaria majalis ist eine alte Heilpflanze, die in Russland seit frühester Zeit gegen Wassersucht, gegen Epilepsie und bei Herzerkrankungen verwendet wurde. Als Volksmittel gegen Kopfschmerzen dienten die in Essig oder Wein angesetzten Blüten. Doch Vorsicht! Die Pflanze enthält in allen Pflanzenteilen stark giftige, herzwirksame Glykoside, deren wichtigstes das Convallatoxin ist. Wegen der hohen Giftigkeit wird das Maiglöckchen daher heute nicht mehr in der Volksheilkunde verwendet. Anwendung findet es jedoch in der Homöopathie bei nervösen Herzstörungen und Herzschwäche.

 

Convallaria majalis 3

In der Blütezeit kann das Maiglöckchen mit keiner anderen Pflanze verwechselt werden. Hin und wieder kommt es jedoch vor der Blüte zu Verwechslungen mit Bärlauchblättern. Maiglöckchenblätter weisen jedoch im Gegensatz zu diesen beim Zerreiben keinen, vor allem keinen knoblauchähnlichen Geruch auf.

 

Taraxacum 1

Löwenzahn, Kuhblume, Pusteblume, Maidistl, Röhrlkraut, Kettenstaude, Butterblume, Schmalzblume - die je nach Region unterschiedlich titulierten Pflanzen sind bei uns weit verbreitet, ja fast allgegenwärtig und schon jedem Kind bekannt. Mit ihren leuchtend gelben Blütenköpfen stellen sie oft den einzigen Blumenschmuck unserer Wiesen dar. Ihre bitter schmeckenden Blätter können in jungem Zustand als Salat verzehrt werden, ältere dienen häufig als Kaninchenfutter

 

Taraxacum 2

In der Volksheilkunde wird der Löwenzahn unter anderem als Tee gegen Galle- und Leberleiden, gegen Blähungen, Völlegefühl, Verdauungsbeschwerden und bei Frühjahrskuren verwendet. Zubereitungen aus der Wurzel gelten als „Blutreinigungsmittel“ und werden gegen Gicht, rheumatische Beschwerden und Steinleiden eingesetzt.

Der Löwenzahn zählt zur Gattung Taraxacum, die mit etwa 370 Sippen eine der artenreichsten Gattungen der deutschen Flora darstellt. Die vielfach gebräuchliche Artbezeichnung Taraxacum officinale umschreibt eine Sammelart. Taraxacum wurde schon in der Antike von griechischen und arabischen Ärzten als Heilmittel genutzt.

 

Bellis perennis 1

Das ganze Jahr über, so lange es die Temperatur erlaubt, zeigt das Gänseblümchen, Bellis perennis, seine hübschen Blüten. Der lateinische Name spiegelt dies wider. Der Gattungsname Bellis rührt vom lateinisch bellus = schön, hübsch, der lateinische Artbeiname perennis bedeutet ausdauernd. Der deutsche Name rührt daher, dass das Gänseblümchen bevorzugt auf Gänseweideplätzen gedeiht, also nicht von den Gänsen gefressen wird.

 

Bellis perennis 2

In der nordischen Mytholgie war das Gänseblümchen Ostara, der Göttin des Frühlings und der Auferstehung, geweiht. Im Mittelalter genoss es hohes Ansehen als Heilpflanze. Bellis perennis wurde als Heilmittel gegen Gicht und Hüftweh gepriesen, es galt auch bei der Wundheilung als hilfreich und half angeblich sogar gegen den Kropf. Heute wird Gänseblümchenextrakt in der Homöopathie bei Blutungen, Blutergüssen, Muskelschmerzen nach Verletzungen und gegen rheumatische Beschwerden und Hauterkrankungen eingesetzt.

 

 

Verwendete Literatur:

  • Haeupler, H. & Muer. Th. 2000: Bildatlas der Farn-und Blütenpflanzen Deutschlands. - Verlag Eugen Ulmer Stuttgart
  • Hegi, G. 1954.: Illustrierte Flora von Mitteleuropa, VI, 2, 1. Aufl. (Nachdruck) - Carl Hanser Verlag München
  • Hiller, K. & Melzig, M.F. 2003: Lexikon der Arzneipflanzen und Drogen. - Spektrum Akademischer Verlag

Fotos: Franz Höck, Botanischer Garten München-Nymphenburg

Text: Ehrentraud Bayer

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