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Botanischer Garten München-Nymphenburg

Bilsenkraut und Engelstrompete

Solanum dulcamara (Früchte)

Solanum dulcamara, Bittersüßer Nachtschatten
Familie: Nachtschattengewächse (Solanaceae)

 

Albranke, Bittersüß und Mondscheinkraut sind weitere Namen dieser attraktiven Kletterpflanze. Auch "Jelängerjelieber" wurde sie früher bisweilen genannt, da die zunächst bitter schmeckende Pflanze, je länger man sie kaut, um so süßer schmeckt. Sie schützte ferner vor Mondsucht, und legte man sie Kindern in die Wiege, so waren diese vor Zauberei bewahrt. Das Gleiche galt für Vieh, das unter bösem Zauber litt - mit einem Kranz aus Bittersüß um den Hals wurde der Zauber entkräftet.

Der Bittersüße Nachtschatten war auch Bestandteil der Hexensalben. Heute weiß man, daß die gesamte Pflanze auf Grund des Gehalts von Alkaloiden und Saponinen mit Steroidcharakter sehr giftig ist. Lediglich die völlig reifen und roten Beeren enthalten nur noch wenig Gift.

Im Botanischen Garten kann man die Pflanze in der Nutzpflanzenabteilung im Freiland sehen.

Quellen:
Gaissmayer, D. (o.A.): Zauberkräuter.
Roth et al. (1994): Giftpflanzen - Pflanzengifte.

 

Solanum dulcamara (Blüten)

Solanum dulcamara, Bittersüßer Nachtschatten
Familie: Nachtschattengewächse (Solanaceae)

 

Datura stramonium

Datura stramonium, Gemeiner Stechapfel
Familie: Solanaceae (Nachtschattengewächse)
Giftpflanze!

Die Heimat des Gemeinen Stechapfels liegt in Amerika. Von dort aus gelangte er in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts nach Spanien und im Anschluß in die übrigen europäischen Länder. Bereits Ende des 17. Jahrhunderts war der Gemeine Stechapfel in Europa verwildert.

In Osteuropa nutzte man den Stechapfel auch medizinisch. Räucherungen von Stechapfel setzte man z.B. gegen Zahnschmerzen ein. In Mitteleuropa und China wurde Stechapfelkraut auch dem Bier zugesetzt, um die berauschende Wirkung zu erhöhen. Wegen seiner berauschenden, Halluzinationen hervorrufenden Wirkung war der Stechapfel auch wichtiger Bestandteil der "Hexensalben". Insbesondere sollte er Flugerlebnisse (Fliegen mit dem Hexenbesen) hervorrufen.

Im Volksmund hieß die Pflanze früher auch Teufelsapfel, Rauchapfelkraut oder Donnerkugel, die Samen hießen Tollkörner. Ein weiterer Name ist Asthmakraut, denn früher wurde die Pflanze auch gegen Asthma und Keuchhusten eingesetzt. Heute dienen Extrakte aus der frischen, vor Erscheinen der Blüte gesammelten Pflanze in der Homöopathie unter dem Namen "Stramonium" als Mittel zur Linderung von nächtlichen Angstzuständen, Krämpfen und Migräne.

Da die Pflanze sehr giftig ist, sei an dieser Stelle darauf hingewiesen, daß jegliche Art von Selbstbehandlung mit Datura stramonium unterbleiben muß.

Die weißen und daher in der Nacht gut sichtbaren Blüten des Gemeinen Stechapfels öffnen sich erst gegen Abend und beginnen dann zu duften. Sie werden von Nachtschmetterlingen bestäubt, die mit ihren langen Rüsseln bis zum Grund der Kronröhre gelangen, wo sich der Nektar befindet. Eingang in die Kronröhre findet der Rüssel an einer der fünf Öffnungen, die jim Falz der Blütenblätter gebildet werden. Das Insekt muß die Blüte fünfmal besuchen, um den Nektar auszuschöpfen. Die erhöhte Anzahl der Blütenbesuche erhöht die Wahrscheinlichkeit einer Bestäubung. Man bezeichnet solche Blüten mit Mehrfachzugängen für Insekten auch als Revolverblüten.

Quellen:
Franke, Th. (2006): mündliche Mitteilung.
Scherf, G. (2003): Zauberpflanzen - Hexenkräuter. 2. Auflage.

 

 

Fotos: Franz Höck (Solanum dulcamara) und Anja Holbaum (Datura stramonium), Botanischer Garten München-Nymphenburg

Text: Ehrentraud Bayer

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