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Botanischer Garten München-Nymphenburg

Segen oder Fluch - Rohstoffe und Ressourcen in der Wüste

Vortrag von Herrn Dr. Rupert Hochleitner
Diplom-Mineraloge und Kommissarischer Leiter des Museum Mensch und Natur

Wüsten sind Gebiete mit Niederschlagsmengen von unter 250 mm im Jahresmittel. Ebenso kennzeichnend ist aber auch die Höhe der (möglichen) Verdunstung, die in Wüstengebieten weit über dem tatsächlichen Niederschlag liegt.

Die meisten Lagerstätten, die heute in Wüstengegenden abgebaut werden, haben sich zu Zeiten gebildet, als es dort noch gar keine Wüste gab. Oft auch - wie z.B. im Falle von Erzlagerstätten - entstanden diese in mehreren Kilometern Tiefe. Dort können überhaupt keine Wüstenbedingungen herrschen.

Es gibt jedoch auch Lagerstätten, oder zumindest Mineralanreicherungen, die sich zeitnah unter heutigen Wüstenbedingungen gebildet haben:

Das sind zum einen die oberen, der atmosphärischen Verwitterung zugänglichen Teile von Lagerstätten, die man Oxidationszone nennt. Je nach Lage des Grundwasserspiegels können diese Zonen bis zu mehrere hundert Meter mächtig sein. In ihnen sind die ursprünglich sulfidischen Primärerze zu einer Vielzahl von Oxiden und Hydroxiden, Sulfaten, Carbonaten, Phosphaten und Arsenaten umgewandelt, die oft durch ihre vielfältigen Färbungen auffallen.

Die Oxidationszonen zeichnen sich durch einen Reichtum an Mineralien aus, die wie Chloride oder viele Sulfate, gut wasserlöslich sind und nur in ariden Klimata über längere Zeit und in größeren Mengen erhalten bleiben können. Besonders typische Beispiele solcher Vorkommen sind die riesigen Kupferlagerstätten der Atacama-Wüste in Chile.

Charakteristische Wüstenbildungen sind auch Salz-Ablagerungen in Salzseen und Salzpfannen, wie sie z.B. in der Sahara seit Jahrhunderten traditionell abgebaut werden.

Erdöl ist ein weiteres gutes Beispiel dafür, dass es die typische Wüstenlagerstätte eigentlich gar nicht gibt. Die organischen Stoffe, aus denen das Erdöl entstand, wurden vor vielen Millionen Jahren abgelagert, die Erdölspeichergesteine sind viele Millionen Jahre alt. Auf der arabischen Halbinsel sind es zum Beispiel oft Gesteine, die sich durch einen Reichtum an Rudisten, fossilen riffbildenden Muscheln, auszeichnen – und die haben nicht in der Wüste, sondern im Meer gelebt. Die Gesteine liegen heute in mehreren Kilometern Tiefe unter der Wüste, mit der sie, außer der gleichen geographischen Lage, rein gar nichts zu tun haben. Der größte Teil der Lagerstätten, die heute in ariden Gegenden abgebaut werden, sind viele Millionen bis viele hundert Millionen Jahre alt. Die heute existierenden Wüsten sind dagegen im Vergleich geologisch jung. Beide Phänomene können also gar nichts miteinander zu tun haben.

Allerdings leidet die heutige Wüste unter der Rohstoffgewinnung zum Teil außerordentlich, zwei Welten prallen aufeinander: Nomaden, die Jahrhunderte oder Jahrtausende im Einklang mit der Natur lebten, sind durch das Eindringen der modernen Technik in ihrer Existenz gefährdet. Zur Erschließung von Ölquellen werden ganze Bergmassive weggesprengt, brennende Ölquellen (Kuwait, Irak) oder beschädigte Pipelines verursachen Umweltschäden enormen Ausmaßes. Die Aufbereitung von Erzen mittels zum Teil hochgiftiger Chemikalien (Quecksilber, Cyanide etc.) am Ort führt zur Zerstörung von Fauna und Flora.

Auf diese Weise wird vieles, was zum Segen für Land und Leute (Arbeitsplätze, Nahrung) werden könnte, letztendlich zum Fluch.

 

Vanadinit

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Gold-Nugget

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Fotos: Rupert Hochleitner

Text: Rupert Hochleitner

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