Karnivorenbörse

Fleischfressende Pflanzen und Begleitvegetation
Ausstellung, Pflanzenverkauf, Vorträge

14. bis 15. April 2018

Öffnungszeiten
Samstag, 10 – 17:30 Uhr,
Sonntag, 9 – 17:30 Uhr

Ort
Westlicher Innenhof vor dem Botanischen Institut oberhalb des Schmuckhofes

Die Karnivorenbörse wird veranstaltet von der Gesellschaft für Fleischfressende Pflanzen e.V. in Kooperation mit der Botanischen Staatssammlung München und dem Botanischen Garten München-Nymphenburg


Die Gesellschaft für Fleischfressende Pflanzen (G.F.P e.V.) veranstaltet ihre diesjährige Frühjahrsbörse erstmalig im Botanischen Garten in München. Mehrere Spezialhändler aus ganz Deutschland werden fleischfressende Pflanzen ausstellen und zum Verkauf anbieten. Der Pflanzenverkauf findet am Samstag, dem 14.04.2018 von 10 bis 17:30 Uhr und am Sonntag, den 15.04.2018 vom 9 bis 17.30 Uhr statt – auf der Südseite im Innenhof des Botanischen Institutes, gleich oberhalb des Schmuckhofes (der Weg zur Börse ist ab dem Kassengebäude ausgeschildert).

Am Samstag wird es am Nachmittag um 16 und 17 Uhr zwei wissenschaftliche Kurzvorträge zu fleischfressenden Pflanzen geben, am Sonntag um 11 Uhr hält Herr Dr. Andreas Fleischmann von der Botanischen Staatssammlung München einen Vortrag für das allgemeine Publikum zum Thema „Faszinierende Welt der fleischfressenden Pflanzen“. In diesem Vortrag werden alle Fallentypen, Fangmechanismen und Gattungen der fleischfressenden Pflanzen anhand von Fotos am Naturstandort gezeigt. Die Vorträge finden im Großen Hörsaal des Botanischen Instituts statt; der Eintritt zu den Vorträgen ist frei; Zugang nur über die Menzinger Str. 67, 80638 München.

Karnivoren – Fleischfressende Pflanzen

Weltweit gibt es über 800 Arten von fleischfressenden Pflanzen (Karnivoren), sie sind nahezu auf jedem Kontinent verbreitet, und haben die verschiedensten Strategien entwickelt, kleine Tiere anzulocken, zu fangen und zu verdauen. Die Fangmechanismen reichen von schnell zuschnappenden Klappfallen bei Venusfliegenfalle und Wasserfalle, und den ultraschnellen Saugfallen der Wasserschlauch-Arten, die kleine Beutetiere im Wasser in wenigen Millisekunden einsaugen können, über sich einrollende aktive Klebefallen bei Sonnentau und Fettkraut, passive Klebefallen (zum Beispiel beim Taublatt und bei der Wanzenpflanze (Roridula) zu den bekannten Fallgruben der Kannenpflanzen und Schlauchpflanzen. Daneben gibt es aber noch einige weniger bekannte, kleinere Gattungen von fleischfressenden Pflanzen, zum Beispiel Philcoixa aus Brasilien, die mit klebrigen unterirdischen Blättern im Sand auf Nematoden-Fang geht, die Reusenfalle Genlisea, die mit korkenzieherartig gedrehten Blättern kleine Bodenorganismen fängt, die „Teilzeit-Karnivore“ Triphyophyllum, die ihre Klebefallen nur zu bestimmten Zeiten im Jahr ausbildet, und die größte Zeit ihres Lebens eine nicht-karnivore Liane ist.

Von den Tafelbergen Venezuelas, den Feuchtsavannen Brasiliens, über die Kapregion Afrikas und die wechselfeuchten Halbwüsten Australiens, überall wo offenen, sonnige, zumindest zeitweise feuchte und vor allem nährstoffarme Böden zu finden sind, haben fleischfressende Pflanzen einen Lebensraum gefunden. Denn der Tierfang und Tierverdau dient diesen Pflanzen als „Nahrungsergänzung“, um Nährstoffe wie Stickstoff und Phosphor, die in diesen kargen Böden nicht vorkommen, aus den eiweißreichen Insekten und Kleintieren zu gewinnen. Die eigentliche Ernährung geschieht aber auch bei fleischfressenden Pflanzen wie bei allen grünen Pflanzen durch Photosynthese, hier unterscheiden sie sich nicht von ihren „normalen“ Verwandten. Im Laufe der Evolution ist die karnivore Lebensweise bei Pflanzen übrigens mehrmals parallel entstanden, in ganz unterschiedlichen botanischen Verwandtschaftskreisen.
Die größte Vielfalt an fleischfressenden Pflanzen findet man dabei auch nicht in den tropischen Regenwäldern, wie oft fälschlich angenommen, sondern in Regionen mit mediterranem oder subtropischem Klima, vor allem auf der Südhalbkugel. Doch auch bei uns in Deutschland gibt es immerhin 12 Arten von fleischfressenden Pflanzen (3 Sonnentau-Arten, 2 Fettkräuter und 7 Wasserschlauch-Arten), die in unseren heimischen Mooren vorkommen. Eine weitere Art, die Wasserfalle, Aldrovanda vesiculosa, ist in Deutschland durch Lebensraumzerstörung und Umweltverschmutzung leider bereits ausgestorben.


Die Heimat der Gattung Sarracenia, deutsch Schlauch- oder Trompetenpflanze, auch Trompetenblatt genannt, ist Nordamerika. Der Gattungsname ehrt den französischen Arzt, Naturforscher und Botaniker Michael Sarrazin (1659 – 1734), der in Kanada lebte. Er sandte seinerzeit lebende Schlauchpflanzen nach Paris an den Botaniker J.P. de Tournefort, der auf Grund dieser Pflanzen im Jahr 1700 die Gattung Sarracenia aufstellte.


Die große Gattung Drosera, Sonnentau, ist fast weltweit verbreitet; die meisten Arten finden sich in Australien, Südafrika und Südamerika. Der Gattungsname kommt von griechisch drosos = der Tau bzw. von droseros = betaut, tauig und bezieht sich auf die klebrigen Schleimtröpfchen, die am Ende der Tentakeln sitzen und in der Sonne wie Tautröpfchen an einem Blatt aussehen. Der abgebildete Rundblättrige Sonnentau, Drosera rotundifolia, kommt auch bei uns vor und steht unter Naturschutz. Weitere Namen sind u.a. Himmelstau, Himmelslöffelkraut oder Sonnenlöffel.


Eine sehr bekannte fleischfressende Pflanze ist die Venusfliegenfalle, Dionaea muscipula, die lokal an der Ostküste Nordamerikas beheimatet ist. Es existiert nur eine einzige Art; die Gattung ist monotypisch. Der Gattungsname nimmt Bezug auf die Titanin Dione, die in der griechischen Mythologie als Mutter der Aphrodite gilt.


Nach zweimaliger Berührung der Fühlborsten schließen sich die Blattspreitenhälften fangeisenartig. Größere Insekten, wie Fliegen oder Spinnen können nicht mehr aus der Falle entkommen.

Text: Dr. Andreas Fleischmann, Botanische Staatssammlung München
Bildunterschriften: PD Dr. Ehrentraud Bayer, Botanischer Garten München-Nymphenburg