Landschaften im Alpen-Vorland vom Eis geschaffen

Aquarelle von Dietrich Herm

Mittwoch, 19. Oktober bis Sonntag, 27. November 2016
Gemälde-Ausstellung im Grünen Saal (Haus 7 der Schaugewächshäuser)


Die indirekten Einflüsse des Klimas auf die Landschaftsformen erkennt Prof. Dr. Dietrich Herm als Geologe mit geschultem Blick sehr gut. Auf seinen Aquarellen fängt er typische Voralpenlandschaften ein, wie sie als Folge der Eiszeiten von Gletschern und Flüssen geschaffen wurden. Oft ist es aber auch der Mensch, der die Landschaft prägend beeinflusst, etwa durch Rodungen und Weidewirtschaft.

Die Ausstellung der Aquarelle findet im Grünen Saal, dem Seitenhaus 7 der Schaugewächshäuser, statt. Der Besuch ist im Eintrittspreis (Tageskarte 4,50 €, ermäßigt 3 €) in den Botanischen Garten inbegriffen. Die Ausstellung ist täglich geöffnet, im Oktober von 9 bis 16:30 Uhr und im November von 9 bis 16 Uhr.

Text: Ehrentraud Bayer, Botanischer Garten München-Nymphenburg



Landschaft im Alpen-Vorland vom Eis geschaffen

… dann kamen in der Erdgeschichte mehrfach die Eiszeiten

In den Gebirgen sammelte sich der Schnee zu Eis. Berghänge brachen ab. Planierraupen gleich schoben die Gletscher die Geröllmassen vor sich her in das Vorland und bildeten Moränen, wie Riegel quer in der Landschaft, oft mit großen Findlings-Blöcken.

Große Seen und viele kleinere Weiher stauten sich.
Weite Schotterflächen wurden flach in das Vorland durch das Schmelzwasser geschüttet.

Die polierten oder gekritzten Geschiebe sind wild gemischt aus allen Gebieten, die der Gletscher durchfloss.

Die Flüsse mussten sich neue Täler eingraben auf ihrem Weg zur Donau.



Sehr wechselnd sind die nach dem Abschmelzen gebildeten Böden für die nach der Gletscherbedeckung vordringenden Pflanzenwelten: Arme, trockene Schotterflächen neben Ton-Lagen oder Torf in den verlandenden Seen.

Vielgestaltig spiegeln die Pflanzengemeinschaften ihren Naturboden besonders bei wechselnden Klimalagen wider: saftig oder dürr, saftiges Laub neben harten Nadelbäumen, Schilf neben trockener Heide



Die erst vom Menschen geschaffenen Wiesen, abwechselnd und oft zu viel gemäht, zeichnen heute gut die Morphologie nach und lassen erkennen, wer die Landschaft geformt hat:

Eis, Wasser oder Wind

Für das Klima mit seinem ziehenden Wettergeschehen sind die Alpen ein steuernder Riegel.

Hier staut sich der trockene Föhn von Süden, oder kalter, tagelanger Regen von Norden.

Die Pflanzen müssen sich ihren besten Platz suchen vom 500 Meter hohen Flachland bis in die Schneeregionen.

Der Mensch betrachtet heute diese Landschaft als beruhigend, als zufriedenstellend, als schön.

Der Betrachter ist heute ausgeglichen, es geht ihm gut.

Das war nicht immer so.

Die Alpen und ihr Vorland erschienen ihm bedrängend, in der Erwartung unbekannt und unbeherrscht, angstfördernd.

Genießen wir sie heute!


Text, Aquarelle: Prof. Dr. Dietrich Herm
Repros: Franz Höck, Botanischer Garten München-Nymphenburg