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Botanischer Garten
München-Nymphenburg

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100 Jahre Botanischer Garten München-Nymphenburg

Ausstellung zur Geschichte des Gartens

11. Mai bis 22. Juni 2014
Ausstellung im Grünen Saal (Haus 7 der Schaugewächshäuser)

Ausstellung zum Jubiläum

Anlässlich des 100. Geburtstages, den der Botanische Garten München-Nymphenburg am 10. Mai 2014 begeht, wird eine Ausstellung im Grünen Saal gezeigt.
Sie gewährt anhand von Bildern und kurzen Texten einen Einblick in die Anfänge des Botanischen Gartens, zeigt alte Gartengeräte, Porzellanschilder und einen großen Autokoffer, der damals vom Gartengründer Karl Eberhard von Goebel benutzt wurde. In einer Vitrine sind Teller mit dem Signum K.B.G. zu sehen – Reste eines garteneigenen Geschirrs.

Zur Geschichte

Am 10. Mai 1914, einem Sonntag, wurde der Königliche Botanische Garten München-Nymphenburg feierlich eröffnet. Der damalige bayerische König Ludwig III (1845 – 1921) war bei der Einweihung ebenso zugegen wie Vertreter der Stadt München und der Universität. Abgesandte anderer Botanischer Gärten und die Münchner Bevölkerung nahmen regen Anteil an diesem Ereignis.

Der Botanische Garten in Nymphenburg, der an diesem kühlen, wolkenverhangenen Maisonntag der Wissenschaft und der Bevölkerung übergeben wurde, war nicht der erste Botanische Garten Münchens. Sein Vorgänger war der heutige, in der Nähe von Stachus und Hauptbahnhof gelegene, im Jahr 1812 eröffnete Alte Botanische Garten, von dem außer dem Eingangsportal nichts mehr von damals erhalten geblieben ist. Er dient jetzt als Parkanalage.

Im Jahr 1908 genehmigte die Bayerische Abgeordnetenkammer die Verlegung des Botanischen Gartens. Die ursprüngliche, vom berühmten Gartengestalter Friedrich Ludwig von Sckell (1750 – 1823) geplante und realisierte Anlage war zuvor durch den Bau des riesigen Glaspalastes auf dem Gartengelände zerstört worden. Zudem schädigten die zunehmenden Abgase, die von den Kohleheizungen der wachsenden Stadt und den Dampfloks des nahegelegenen Hauptbahnhofes stammten, die Pflanzen, insbesondere die Nadelbäume. Treibende Kraft für die Verlegung des Gartens war der damalige Gartendirektor Karl Eberhard von Goebel (1855 – 1932).

Um die Aufnahme des neuen Botanischen Gartens bemühten sich mehrere Gemeinden. Aus mehrerlei Gründen fiel die Entscheidung für das damals noch außerhalb der Stadt gelegene Gelände in Nymphenburg: Der Nymphenburger Schlosspark im Süden und der Besitz der Englischen Fräulein im Osten bot Schutz vor künftiger Umbauung; die Wasserversorgung war durch Würmwasser durch Überleitung aus dem Nymphenburger Schlosskanal gesichert; im Westen bot das Kapuzinerhölzl Windschutz; der Ort war von der Stadt aus gut erreichbar.

Ende 1908 wurde unter der Oberleitung von K.E.V. Goebel mit der Planung begonnen. 18,7 Hektar, ein Gebiet von stattlicher Größe, standen für die Anlage eines neuen Botanischen Gartens zur Verfügung. Später wurde er auf 22 Hektar erweitert.


In mühevoller Handarbeit wurde Erde auf dem kargen Boden des neuen Botanischen Gartens verteilt. Ein hölzerner Schubkarren, wie abgebildet, ist in der Ausstellung zu sehen.

Mit den Arbeiten im Freiland begann man im Januar 1909; unter anderem wurde über eine eigens errichtete Rollbahn Erde und Kies angeliefert; man führte Ausschachtungsarbeiten für den zukünftigen Teich und den Parterregarten, heute als Schmuckhof bekannt, durch, baute das Alpinum auf und pflanzte im Winter 1912 zahlreiche Bäume.

Gleichzeitig wurden ab 1910 verschiedene Hochbauten errichtet, darunter die Wohngebäude für den Direktor und den (damals so genannten) Gartenkustos und die Überwinterungshalle für nicht frostharte Gehölze, heute als Winterhalle bezeichnet. Mit der Errichtung der Schauhäuser begann man im Frühjahr 1911, stellte sie im August 1912 fertig und bepflanzte sie im Jahr 1913. Die Gewächshausanlage wurde von K.E. v. Goebel nach dem Vorbild der Gewächshäuser des berühmten Palmengartens in Frankfurt a.M. geplant. Beheizt wurden die Häuser durch eine Zentralheizung; die Heizkessel wurden mit Koks gespeist.


Links im Bild die Winterhalle, dann das Inspektorenhaus und der Querbau mit den Kaminen, der Heizung und Arbeitsraum beherbergt. In der Bildmitte die Kuppel des Palmenhauses und die anschließenden Hallen und Seitenhäuser. Aus: Röder G. 1913: Die Schau- und Kulturhäuser

Nach der glanzvollen Eröffnung im Mai 1914 bleiben dem Garten nur wenige Monate bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs. Es fehlte mit zunehmender Kriegsdauer an Geld, Heizmaterial, Pflanzennachschub und Arbeitskräften, da viele Gärtner zum Kriegsdienst einberufen wurden. Eine ähnliche Situation ergab sich dann auch während des Zweiten Weltkriegs.

Wer heute den Botanischen Garten besucht, merkt nichts von den überstandenen schlechten Zeiten. Die in der Epoche des Münchner Jugendstils errichteten Gebäude und die Freilandanlagen sind weitgehend erhalten und stehen heute unter Denkmal- und Ensembleschutz. Der Botanische Garten München-Nymphenburg gilt noch heute als einer der schönsten Gärten Europas. Er verbindet seit jeher wissenschaftlichen Auftrag und Forschung mit ästhetischem Genuss, vermittelt Wissen und Freude an Pflanzen und ist ein Ort der Erholung und Entspannung. Vor hundert Jahren ist den Schöpfern des Botanischen Gartens ein Werk gelungen, das über alle Kriegswirren, Schwierigkeiten und Modeströmungen hinweg noch heute Bestand hat.


Der blaue Papagei blickt auf den morgendlichen Schmuckhof; Majolika-Figur von Joseph Wackerle (1880 – 1959), Nymphenburger Porzellanmanufaktur

Foto und Repros: Franz Höck, Botanischer Garten München-Nymphenburg
Text: Ehrentraud Bayer, Botanischer Garten München-Nymphenburg