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Botanischer Garten
München-Nymphenburg

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„Nymphenspiegel“ lädt am Vor-Tag zu „Herderlezi“,
dem Frühlingsfest der Roma auf dem Balkan,
zur Vernissage des neu geschmückten und behängten Bücherbaumes in den Botanischen Garten ein,
am Samstag, den 5. Mai 2012 von 14 bis 18 Uhr
mit einem Konzert der Gruppe Cudni Svati

Ort
Beim Café des Botanischen Gartens am westlichen Rand der Südterrasse

Kulturpartnerschaft
Um die kulturelle Kooperation des Botanischen Gartens mit dem “Nymphenspiegel Kultur Forum München” auch 2012 mit neuem Leben zu füllen, laden beide Seiten zur Wieder-Einweihung des “Nymphenspiegel-Bücherbaumes”, der sich erneut beim Café des Botanischen Gartens befindet, am westlichen Rand der Südterrasse.

Programm
Kurze Vorstellung des „Nymphenspiegel-Kulturprojekts“ mit seinen Salons, Konzerten, Künstler- und Maler-Atelierfesten sowie Publikations-Möglichkeiten für noch unbekannte aber vielversprechende Autor(inn)en. Ralf Sartori, Herausgeber und Projektleiter führt durch die Veranstaltung und steht für Fragen zur Verfügung. Weitere Auskünfte zur Veranstaltung und zum „Nymphenspiegel“ unter www.nymphenspiegel.de oder unter Tel. 089 564837.

Zur Besonderheit des Datums, zu Konzert und Gruppe

Das Datum bezeichnet den Vortag zu „Herdelezi“ (manchmal auch Etelesi geschrieben), dem Frühlings- und Lichterfest der Roma auf dem Süd-Balkan, das am 6. Mai beginnt, in das aber oft schon am Vortag hineingefeiert wird und bis zu einer Woche mit Musik, Tanz und Essen als Gemeinschaftsereignis in der Natur zelebriert wurde. Kerzen, frische Zweige und Heilwasser dienen dabei als Lebens- und Frühlings-Symbole. Wir können dieses Fest leider nur andeuten, haben dafür aber zumindest die Balkan-Gruppe Cudni Svati eingeladen. Dabei kann natürlich auch getanzt werden.


Die Balkan-Gruppe Cudni Svati
Die Gäste werden nur gebeten, eine Kerze mit Windschutz, einen frischen grünen Zweig, und als Beitrag zu dieser Gemeinschaft, auch eine symbolische Gabe zu Essen mitzubringen sowie ein wenig Geld für die Musiker zu geben, wie ebenfalls üblich auf dem Balkan, wo Musiker auf Festen immer großzügig bedacht werden.

Dieses Fest zu Ehren des hl. Georgs, Herdelezi (Djurdjevdan), ist einer von wenigen Festtagen, die von moslemischen und christlich-orthodoxen Roma gleichermaßen begangen werden. Das moslemische Pendant zum orthodoxen Georgsfest – herdelezi – entspricht der türkischen Bezeichnung hıdrelez und setzt sich aus den Namen hızır und Elias zusammen. Der Überlieferung nach war ein Treffen des populären Schutzheiligen hızır (arabisch: el khadr – „der Grüne“) mit dem Propheten Elias im 9. Jahrhundert v. Chr. Ausgangspunkt dieses früher sehr verbreiteten türkischen Frühlingsfestes. Türkische Nicht-Roma begehen herdelezi heute kaum mehr. Wenn, dann beteiligen sie sich an den Feierlichkeiten der Roma. Herdelezi gilt heute in der Türkei als das eigentliche Roma-Fest. Es dürfte bereits frühzeitig zu einer Vermischung der jüdisch-christlichen Verehrung des alttestamentarischen hl. Elias mit dem christlichen Georgskult und der muslimischen Verehrung von El Khadr gekommen sein. Herdelezi und djurdjevdan sind somit Ausdruck der Volksfrömmigkeit, die – weniger dogmatisch als die Theologie – eine gegenseitige Beeinflussung zuließ und die Feierlichkeiten trotz unterschiedlicher religiöser Wurzeln zu einem überreligiösen Frühlingsfest verschmelzen ließ. Die Roma übernahmen das Fest von den Nicht-Roma und passten die Zeremonien an ihre eigenen Glaubensvorstellungen an.

Mit diesen kulturellen und spirituellen Referenzen an diese Tradition setzt der Nymphenspiegel ein Zeichen für Naturverehrung und interreligiöses Feiern. Dementsprechend geht die musikalische Reise mit der Balkan-Gruppe Cudni Svati unter dem Programm-Motto Orient-Express auch über Paris, Straßburg, Wien, Budapest, Belgrad und Sofia nach Konstantinopel. Das Zug-Personal sind bei dieser Veranstaltung die vielseitige Sängerin Julia Autolny, Chrissy Schusdziarra (Flöten), Karin Vetter (Geige), Frank Wagner (Gitarre & Balalaika), Philip Wienand (Percussion, Saz und Gesang). Zum Konzert wird den Gästen Rotwein gereicht.

(Der Historiker Alexandr Paspati erwähnt in seinem 1870 erschienenen Werk über die Roma der Türkei („Études sur les Tchinghianés ou Bohémiens de l'Empire Ottoman“) das Roma-eigene Fest Kakkava, das auf denselben Tag wie herdelezi fiel, mit diesem jedoch – Paspati zufolge – nicht identisch war. Es kann vermutet werden, dass es sich lediglich um eine andere Bezeichnung gehandelt hat. Wie der Ethnologe Tihomir Gjorgjević ausführt, ersetzten jene ehemals türkischen Roma, die nach Serbien emigrierten, Kakkava zuerst durch herdelezi und später durch djurdjevdan. Die Zeremonien selbst blieben davon jedoch unbeeinflusst. Die Zeremonie weist damit durchaus Parallelen zum christlichen Osterfest auf. Körperliche und geistige Reinigung sowie geweihte Nahrungsmittel, die nach der Fastenzeit gegessen werden, sind auch in diesem Fall die zentralen Symbole neuen Lebens.)

Zur Ideenwelt des Nymphenspiegels und dessen Bücherbaum

Ab 2010 verlagert sich der Fokus im Nymphenspiegel (mehr unter www.nymphenspiegel.de), den es seit 2005 gibt, innerhalb dessen Buchreihe, von den Münchner Schlossparks hauptsächlich auf die Isar und ihre thematischen Umfelder, doch unter Beibehaltung des bewährten Konzeptes der Synthese von wissenschaftlichen, journalistischen und literarischen Beiträgen einer Vielzahl hochrangiger AutorInnen, mit Schwerpunkten Essay und Lyrik. Neben dieser Buchreihe bietet das Projekt jedoch von Anfang an auch noch ein breit gefächertes Angebot an Salon-Kultur in Kabarett, Literatur, Konzert und Atelierfesten, was wiederzubeleben darin ebenfalls ein wichtiges Anliegen darstellt.



Die künstlerische und insbesondere literarische Inspiration, die von Garten- und Flussnatur ausgeht, wird nun mit dem Bücherbaum der Natur symbolisch wieder zurückgegeben. Dabei entsteht eine wachsende Bibliothek für Spaziergänger, die jährlich um ein bis zwei Bände erweitert wird.
Seit den letzten Ausgaben (ab Band VI des Nymphenspiegels) stehen Naturschutz, Renaturierungs-Projekte und -Anliegen, insbesondere der Isarplan in München – und das Thema „Bürgerbeteiligung“, in diesen Zusammenhängen – im Zentrum der Betrachtung. Und auch der Botanische Garten München ist in fast jedem Band mit einem eigenen Artikel vertreten. Alle Ausgäben dieses politisch-künstlerischen Gesamtprojekts Nymphenspiegel sind im Buchhandel erhältlich, doch ebenso bei Ralf Sartori, dem Herausgeber und Organisator, direkt, unter Tel. 089 564837 oder E-Mail nymphenspiegel@aol.com. Das Bildungsprogramm des „Nymphenspiegels“ (Umwelt, Politik, Geschichte und Kultur) bietet dazu unter vielem anderen noch historische Stadtführungen, Vorträge, Diskussionsveranstaltungen und fachliche Fluss- und Garten-Exkursionen. Ausführliche Informationen zu diesem dauerhaften und lebendigen Gesamtkunstwerk auch unter www.die-neue-isar.com

Die Teilnahme an der Veranstaltung ist im Eintritt in den Botanischen Garten inbegriffen. Tageskarte: 4 €, ermäßigt 2,50 €; Kinder und Jugendliche bis zum vollendeten 18. Lebensjahr haben freien Eintritt.

Foto Bücherbaum: Franz Höck, Botanischer Garten München-Nymphenburg
Text und Foto Cudni Svati: Ralf Sartori, Nymphenspiegel