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Botanischer Garten
München-Nymphenburg

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Mehr Schein als Sein – Über Mimikry im Pflanzenreich

Sonntag, 27. November 2011, 10 Uhr

Führung mit Herrn Dr. Thassilo Franke
Treffpunkt: 10 Uhr, Eingangshalle der Gewächshäuser

Wer kennt sie nicht die Taubnessel, die harmlose Doppelgängerin der lästigen Brennnessel? Wie ihr Name andeutet, ist sie eine „taube“ Nessel – eine Nessel die nicht brennt. Botanisch gesehen hat sie jedoch gar nichts mit den Nesselgewächsen zu tun. Die Taubnessel ist ein Lippenblütler und mit Salbei und Thymian verwandt. Genauso wie die harmlose Schwebfliege die gelb-schwarze Warntracht der stachelbewehrten Wespe kopiert, imitiert die Taubnessel die Blattform der Brennnessel. Dieses Phänomen nennt man Mimikry. Pflanzenfresser, die einmal die unangenehme Bekanntschaft mit einer Brennnessel gemacht haben, werden in aller Zukunft auch die Taubnessel meiden.
Aber nicht nur die Taubnessel führt Tiere an der Nase herum: Manch ein saftiger Stängel tarnt sich als flechtenbewachsener Ast, Blätter täuschen vor von Raupen befallen zu sein, Blüten geben sich als verwesendes Fleisch aus und ganze Pflanzen tun so, als ob sie Kieselsteine wären. Mimikry (Signalfälschung) ist im Pflanzenreich weit verbreitet.

Am Sonntag, den 27.11.2011 um 10 Uhr, wird Herr Dr. Thassilo Franke einige pflanzliche Betrüger vorstellen, die mithilfe faszinierender Tricks und Strategien vermeiden gefressen zu werden, oder – was auch vorkommt – Tiere in die Falle locken.

Text: Thassilo Franke



Gut getarnt sind die in den (Halb-)Wüsten Südafrikas vorkommenden so genannten „Lebende Steine“. Ihr Pflanzenkörper besteht aus zwei oben abgestutzten, dicken wassergefüllten Blättern, die miteinander verwachsen sind. An der Oberfläche ahmen sie das Muster der Steine der Umgebung nach. So getarnt (Mimese) werden sie von Fraßfeinden, die in den Trockengebieten auf der Suche nach etwas Saftigem sind, kaum oder gar nicht entdeckt. Botanisch gesehen gehören die „Lebende Steine“ zur Gattung Lithops aus der Familie der Eisblumengewächse (Aizoaceae).

Foto: Franz Höck, Botanischer Garten München-Nymphenburg