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Dia-Gramme

Ingrid Kern

Vergrößerungen von floralen Kleinobjekten in Glasdias als Objektträger, Fundstücke aus der Natur, wie Pflanzen, Pflanzenteile, Blüten etc.

16. Oktober – 14. November 2010

Täglich geöffnet
Oktober: 9 – 16:30 Uhr
November: 9 – 16:00 Uhr

Ausstellung im Grünen Saal (Haus 7 der Schaugewächshäuser)


Dia-Gramme – Ornamente der Natur

Die Arbeiten von Ingrid Kern stehen in unmittelbarem Zusammenhang mit der kameralosen Fotografie, die zum Beispiel in den Foto-Grammen von Man Ray und Moholy-Nagy bedeutsame Vorläufer hatten. Ingrid Kern hat aber für sich eine ganz eigenständige, von ihr auch technisch umgesetzte Betrachtungsweise entwickelt, die in dieser Tradition steht. Die Bezüge zur Geschichte der Fotografie liegen auf der Hand, sind jedoch nicht die Intention der Künstlerin. So gibt es für ihre Arbeiten keine Vorbilder oder Anleihen in der Bildenden Kunst.

Die Bilder von Ingrid Kern sind autark. Die Objekte werden in der Natur gesammelt, sind Fundstücke des eigenen Lebensraums. Dort, wo andere wegschauen, sieht sie genau hin. Was ihr in den Blick kommt, ist klein, manchmal nicht größer als ein Daumennagel. Es sind Wiesen- oder Gartenblumen, als Ganzes oder in Teilen, wie Blätter, Blüten, Knospen, Staubgefäße, Samen, Schirmflieger oder Gräser, die in Dia-Rahmen geordnet und 15- bis 50-fach vergrößert werden. Es können auch kleine Insekten, wie Spinnen oder Heuschrecken sein – oder Bänder, Schnüre, Netze – banale Dinge des Alltags.

Die Ergebnisse sind Licht durchflutete, schleierartige Blütenkelche, feine Blattgeflechte oder schlanke, herabhängende Wurzelstränge. Sie sind Beleg für die kunstvollen Baupläne der Natur oder ästhetische Abbildungen, die ein wenig an die sorgfältigen Zeichnungen von Biologen voriger Jahrhunderte erinnern. Andere werden durch die gewählten Ausschnitte, die Vergrößerung und die entstehenden Farbkontraste zu abstrakten Gebilden – so die vom Wetter zerfressene Oberfläche eines Blattes, die ein melancholisches Bild des Verfalls zeichnet.

Dia-Gramme, wie Ingrid Kern ihre Arbeiten folgerichtig nennt, weil sie den Fotoapparat nicht benötigen, erschließen einen Kosmos, der eigentlich bewußt nicht wahrgenommen wird. Das Auge muss sich dem eines Insekts angleichen und die Welt aus dessen Sicht sehen. Die Bilder sind Sehstücke einer unbekannt fernen und doch sehr nahen Welt.

Text: Hans-Eberhard Hess, Herausgeber von Foto-International

Liebe zum Detail

Ingrid Kerns „Dia-Gramme“ tragen den Genius der Frühzeit der Fotografie in sich. Die Lust, im Alltäglichen Strukturen zu entdecken, herauszuarbeiten und diese sichtbar zu machen, oft zu vergrößern, um besondere Details und Regelmäßigkeiten herauszuarbeiten – diese Merkmale und Qualitäten finden sich in den fotografischen Experimenten des späten 19. Jahrhunderts und in den „Dia-Grammen“. Diese sind aber ganz der heutigen Zeit verbunden, ihre Farbigkeit und Lebendigkeit ist Fortschritt gegenüber den eher wissenschaftlich angelegten Aufnahmen von Ingrid Kerns Ahnen, die mittlerweile in die Geschichte der Fotografie eingegangen sind.

Ein wesentliches Merkmal teilen sich die „Dia-Gramme“ mit ihren Vorgängern: Der Bildraum wird auf eine Ebene reduziert. So können sich die Muster der Natur oder solche, die von Menschenhand entworfen oder geschaffen wurden, ausbreiten. Die teils sehr komplexen Strukturen werden lesbar. Ingrid Kern rhythmisiert in ihren Arbeiten Flächen auf einzigartige Weise, teilt diese genau in Zonen der Bewegung und Ruhe ein und stimmt die ton- und Farbwerte fein aufeinander ab. Jedes Detail kommt so zu seinem Recht.

Der Verzicht auf den oft beherrschenden Fotoapparat fördert Bilder zu Tage, die den ursprünglichen Ideen der fotografischen Kunst sehr nahe sind. So fasst Ingrid Kern das von ihr gewählte organische oder handwerklich hergestellte Gewebe zwischen Glasplatten und projiziert es direkt auf Licht empfindliches Material, ohne den Umweg über die Kamera zu gehen.

Es gilt, die Schönheit der Welt auf unkomplizierte Weise zu erfassen und direkt zu vermitteln – worin Ingrid Kern als Könnerin gelten darf, auch wenn sie nicht „vom Fach“ ist: ihr eigentlicher Beruf ist die Innenarchitektur, aber – wie sie selbst sagt: „Wer ein Gefühl für Räume hat, weiß auch Flächen zu gestalten.“ So hat sie es in mehreren Feldern zur Meisterschaft gebracht, die in jeder Faser der von ihr in den „Dia-Grammen“ gestochen scharf abgebildeten Pflanzen und Gewebe steckt.

Text: Horst Kloever


  

Vita: Ingrid Kern

1960 - 1966
Studium „Kunst und Innenarchitektur“ an der Akademie für Bildende Künste in Stuttgart.
Kunststudium bei Prof. Gerhard Gollwitzer und Prof. Hugo Peters,
Studium Innenarchitektur bei Prof. Herta-Maria Witzemann und Prof. Wolfgang Stadelmaier; Abschlussexamen 1966

1966 – 1978
Mitarbeiterin im Büro Dr. Binder/Berlin – Bearbeitung von Hochbau- und Innenraumaufgaben, Farbgestaltung von Innenräumen und Fassaden; Kunstberatung und künstlerische Tätigkeit; wissenschaftliche Untersuchung über den „Raum in der Architektur“

Seit 1978
Eigenes Büro in München, thematisch wie regional vielfältige Tätigkeiten auf dem Gebiet der Innenarchitektur mit Bearbeitung von Farb-, Material- und Beleuchtungskonzepten; Entwicklung von Kunstprojekten

Experimente mit Projektion und Vergrößerung von Objekten in Dia-Trägern (Dia-Gramme)

Juli 2006
Ausstellung in der Akademie Schloss Hohenkammer

Oktober 2006
Ausstellung, „Kunst im Verlag“, Verlagsgruppe Hüthig-Jehle-Rehm in München

Februar 2007
Ausstellung im Kloster Hegne am Bodensee

Januar 2008
Ausstellung in der Praxis Dr. Durstewitz, Pullach

April – Mai 2008
Ausstellung im Bürgerhaus Pullach

Juni – August 2008
Ausstellung in der Reha-Klinik Bad Boll

Oktober 2008 – April 2009
Ausstellung bei Casa-Möbel in München

März – April 2009
Ausstellung in der Galerie 2art, München

Oktober 2009
Ausstellung LEUCHTEND – DURCHLEUCHTET, Bagnato-Galerie, Konstanz

November 2009
Ausstellung GEGENSEITIG, Orangerie im Englischen Garten, München

Ingrid Kern, Münchner Str. 22 B, 82049 Pullach
Telefon: 089 7441973, Fax: 089 7933131, Mobil: 0173 3518752
E-Mail: kern-ingrid@t-online.de, Internet: www.dia-gramme.de