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Botanischer Garten
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Geotop – Biotop

Dietrich Herm
Acryl- und Aquarell-Bilder

24. September – 10. Oktober 2010

Täglich geöffnet
September: 9 – 17:30 Uhr
Oktober: 9 – 16:30 Uhr

Ausstellung im Grünen Saal (Haus 7 der Schaugewächshäuser)


Geotop – Biotop

in enger Beziehung
in gegenseitiger Beeinflussung
in steter Veränderungsdynamik


Geotope sind in dauernder Umbildung, Landschaft wird geformt durch Wetter, Wasser, Erosion, Wärme. Ihr Umbau ist schwerfälliger als die Gemeinschaften der Biotope. Sie passen sich schneller an, sie müssen es, es sind die Grundlagen für die Lebewesen wie Wasser, Licht, Nahrung, Schutz.

Lebewesen formen mit am Geotop; Pflanzen stoppen Wanderdünen, Bruchwälder werden trockener, die Vegetation der Moore ist oft ein Seen-Töter.

Geotope – Biotope werden durch den Menschen entscheidend geformt.
Nur noch wenige Ur-Natur-Lebensräume existieren. Wir leben in einer Landschaft, geformt als ein kulturelles oder wirtschaftlich kodiertes Konzept.
Die Gesamtheit gilt es zu schützen: Landschaftsschutz vor Naturschutz.

Diese Landschaft soll der Mensch in Form, Farbe und Vielfalt der Entwicklung genießen und verstehen, dann schützt es auch.

Es rührt sich allerhand in der Natur; genau hinschauen wie es sich verändert.

Veränderung ist der Maßstab für die Ökotop-Parameter im Zeitlauf. Es gelingt nicht eine romantische, historische, vergangene Natur ohne Menschen, ohne Landwirtschaft, ohne Technik wieder herzustellen.

Es gilt die Veränderungen zu akzeptieren, damit stabile Biotope neu entstehen.

Malen in der Natur ist für mich genießen, einsaugen mit Stift und Pinsel.

Wetter und Landschaft, Pflanzen und Tiere in ihrem Zusammenspiel der Umwelt. Zusammenhänge werden klarer, verständlicher. Man wird erfüllt von Verständnis, von Achtung. Daraus erwächst eine Verantwortung. Ein Gefühl wird frei, ein Gefühl für die Landschaft, für das Lebendige – in Ehrfurcht.

Ehrfurcht heißt Bescheidenheit, die der Mensch seiner Umwelt erweisen soll, in eigenem Interesse.

Verstehen der Vielfalt der Organismen ist wichtig. Sie ist Ausdruck der Ökologie und der Evolution im Lauf der Zeit. Es gibt viel zu lernen für den Menschen, um als ein angepasstes Mitglied im Geo-/Biotop zu leben, zu überleben bei der zunehmenden Menschheitsmasse.

Vom Berg zum Meer in Aquarell und Acryl

Landschaften sind ständig in fließender Veränderung: wachsende Vulkane, schürfende Gletscher, einschneidende Täler, aufschüttende Strände. Über allen liegt das Wetter, sichtbar und fühlbar mit Licht, Wolken, Regen, ständig fließend.

Ich bin zum Malen gekommen, um mehr zu sehen. Intensiver ist der Blick, der die Eindrücke beim Abtasten einer Landschaft aufsaugt. Ich habe versucht, die Impressionen, die oft von momentanen Einflüssen, wie Wetter, aber auch Stimmungen geprägt sind, zu abstrahieren.

Durch Vereinfachung, Konzentration auf das Wesen gilt es mir die Aussagekraft zu stärken.

Ich möchte auf der Basis des expressiven Realismus einen kräftigen Ausdruck liefern, der mit Gleichgewicht und Reinheit beruhigend wirkt. Es soll ein Wiedererleben eines Eindrucks, den ich beim Durchwandern einer Landschaft hatte, ermöglichen und ausstrahlen.

Eine Bildersammlung ist ein Buch der Erinnerungen.

Die Landschaften geben mir das Gefühl der Veränderungen im Wandel der Natur und sie geben mir ein Verständnis für die Zeit. Nicht nur stundenweise Vergänglichkeit von Gewitterwolken oder der jahreszeitliche Rhythmus mit seinen Farbenspielen auch tiefe Täler, große einsame Gipfel und große Schutthalden sowie Bergrutsche sprechen von den Bewegungsabläufen in der Natur.

Der menschliche Geist, so in den Naturwissenschaften, benützt oft das Erstarrte, das Eingegliederte, das Messbare zur Einordnung in seine konstruierten Gesetze zur Naturbeschreibung. zusammenhänge, die sich gegenseitig beeinflussen, werden übersehen.

Die Kunst gibt uns die Möglichkeit der Freiheit, um fließende Übergänge aus verschiedenen Systemen zu erfassen.

„Die Natur wird zum Medium der Seele“, wie es viele Landschaftsmaler der Vergangenheit aufzeigten.

Mich führt es zu großer Ehrfurcht und Erfüllung bei der Landschaftsbetrachtung.


Vita: Dietrich Herm

Dr. rer. nat., em. o. Professor für Geologie und Paläontologie, LMU München
ehem. Direktor der Staatssammlung für Paläontologie und Geologie

Schwerpunkte der wissenschaftlichen Arbeit: Entstehungsgeschichte der Alpen, besonders der Nördlichen Kalkalpen; Paläobiogeographie der Kreidezeit; Quartär-Entwicklung in ihrer Klima-Geschichte.

1933 in Brasilien geboren,
mit den Eltern durch den Weltkrieg in Deutschland hängen geblieben.
Gymnasium Pullach und Icking

Das Interesse an der Natur und das Bergsteigen in Jugendjahren führte zum Studium der Geologie, ein Beruf, der mit viel Geländetätigkeit und Reisen in wilde Gebiete verbunden war.

Zunächst tätig an der Bayerischen Staatssammlung für Paläontologie folgte eine Professur in Santiago de Chile. Diese Zeit brachte viele Forschungsreisen entlang der Anden bis Feuerland.
Die Hochschullehrer-Tätigkeit setzte sich in Tübingen fort.

Forschungsreisen in Westafrika, aber auch in China und Tibet, haben die Liebe zur Landschaft mehr und mehr angefeuert. Es galt die Entstehung der oft bizarren, aber auch die ausgewogenen Landschaften nachzuvollziehen und in ihrer oft sehr langen Geschichte zu erklären.

Seite 1977 in München am Institut für Paläontologie und historische Geologie sowie der entsprechenden Staatssammlung tätig gewesen.
Einer großen Schar von Schülern konnte ich die Gesteinsentstehung und die Entwicklung der Lebewesen vermitteln; vieles wurde in den Alpen und den Mittelmeer-ländern im Gelände erklärt.

Es kam darauf an, die großen Zusammenhänge im Naturgeschehen und die gegenseitige Beeinflussung von Atmosphäre mit Klima, von Hydrosphäre mit Gletschern, Flüssen und dem Meer, von Lithosphäre mit den verschiedenen Gesteinen und die aktive Biosphäre aufzuzeigen. So wird die Dynamik des Naturgeschehens durchschaubar.

Seitdem 1998 die Tätigkeit an der Universität München beendet war, kann ich mich verstärkt der Vielfalt und der Schönheit der Landschaften hingeben. Das Einatmen einer bestimmten Stimmung in der Landschaft und diese auf Papier oder Leinwand zu bringen, ist mir wichtig – es ist ein Erleben.

Bisherige Ausstellungen

Zoologische Staatssammlung München, 1999
Bürgerhaus Pullach, April/Mai 2003
Paläontologisches Museum München, September/Oktober 2003
Kunstkabinett Schmidt-Ibach, München 2005