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Botanischer Garten München-Nymphenburg

Aloen

Sonntag, 12. Dezember 2004, 10.00 Uhr

Führung im Gewächshaus von Frau Franziska Berger

Treffpunkt: vor dem Gewächshauseingang

Bilder

Gelb, orange und rot sind die Lieblingsfarben der Aloen. Und damit die röhrenförmigen bis glockigen Blüten noch besser zur Geltung kommen, stehen sie zu mehreren in traubigen Blütenständen. Wenn diese leuchtenden Blütenkerzen dann noch auf langen Stielen meterhoch emporgehoben werden, ist die Wirkung besonders eindrucksvoll. Es gibt jedoch auch sehr zierliche Aloen mit Blütenständen, die kaum 20 cm hoch sind.

Überhaupt ist die Vielfalt der Gattung Aloe beeindruckend. Das bezieht sich nicht nur auf die Blüten, sondern viel mehr noch auf die Wuchsform. Es gibt kriechende, strauchige, baumförmige oder stammlose Aloen, die meisten haben fleischige, spitz zulaufende Blätter, bei manchen sind sie grasartig. Der Blattrand kann glatt, gezähnt oder oben stumpf sein. Die Blattoberfläche kann grün, bräunlich oder rötlich überlaufen sein oder ist durch hellere Flecken attraktiv gesprenkelt.

Über einen zu geringen Bekanntheitsgrad kann sich die Gattung Aloe wirklich nicht beklagen, seitdem in neuerer Zeit ihre heilenden und kosmetischen Vorzüge vielfach und nachdrücklich angepriesen werden. In Vergessenheit gerät jedoch dabei, daß Aloen eine weitere angenehme Eigenschaft aufweisen: Sie blühen genau dann, wenn bei uns draußen kaltes, oft graues Wetter herrscht. Wer die Gewächshäuser des Botanischen Gartens im Winter des öfteren besucht, weiß davon zu berichten.

Insgesamt gibt es 325 verschiedene Aloe-Arten. Ihre Heimat liegt in Südafrika, im tropischen Afrika und auf Madagaskar; einige Arten stammen auch aus Arabien. Der Botanische Garten München-Nymphenburg hat eine bemerkenswerte Sammlung von etwa 200 verschiedenen Arten. Wer sich selbst ein wenig einsehen möchte in die Schönheit und Vielfalt dieser Gattung, dem sei besonders jetzt im Winter ein mehrmaliger Besuch der altweltlichen Sukkulentenhäuser (Halle C und Haus 5) empfohlen. Wer sich aber lieber unter kundiger Leitung zu den Aloen Südafrikas und Madagaskars führen lassen will, der komme am besten zur Führung am Sonntag, dem 12. Dezember 2004, um 10.00 Uhr. Dann wird die zuständige Reviergärtnerin Franziska Berger „ihre“ Aloen vorstellen und für Interessierte Pflegetips und Kulturhinweise geben.

Vorab kann aber schon verraten werden, daß derzeit u.a. eine baumförmige durch ihre gabelige Verzweigung und den glatten hohlen Stamm außergewöhnlich aussehende Aloe in Blüte steht. Es handelt sich um Aloe dichotoma, die Gabelästige Aloe. Ihr natürliches Vorkommen liegt im nordwestlichen Südafrika, wo sie in bestimmten Gegenden lockere Wälder bildet und damit das Landschaftsbild prägt. Die ausgehöhlten Stämme dieser Aloe-Art wurden von den Buschmännern als Köcher benützt. Darauf bezieht sich auch die einheimische Bezeichnung in Afrikaans: Kokerbaum (Köcherbaum).

Was die medizinische und kosmetische Nutzung der Aloen angeht, so sind es vorwiegend zwei Arten, die die entsprechenden Inhaltsstoffe aufweisen und daher genutzt werden. Einmal die bekannte Aloe vera (oder Aloe barbadensis), zum anderen Aloe ferox. Genutzt werden zum einen der bittere gelbe Saft, der unmittelbar unter der Blattoberfläche gewonnen wird und der innere fleischige Teil des Blattes. Durch bestimmte Trocknungsmethoden gewinnt man aus dem gelben Saft ein dunkelbraunes, harziges Produkt, das von altersher als Abführmittel im Handel ist. Aus dem Blattinneren wird ein gelartiger Stoff gewonnen, der in der Kosmetik für Haar- und Hautpflegemittel eingesetzt wird. Diesem Gel sagt man auch wundheilende Eigenschaften nach; in der Volksheilkunde werden deshalb durchschnittene Blattstücke von Aloen direkt auf den entsprechenden Stellen auf der Haut aufgelegt.

Aloen werden besonders im blütenlosen Zustand immer wieder mit Agaven verwechselt, da beide Pflanzengattungen die gleiche Anpassung an trockene Klimate zeigen, nämlich die Speicherung von Wasser in den Blättern. Man spricht von Blattsukkulenz. Völlig unabhängig voneinander haben diese beiden Pflanzengattungen einmal in der Alten Welt (Aloen) und einmal in der Neuen Welt (Agaven) diese Art der Wasserspeicherung „entdeckt“ und entwickelt. Man bezeichnet solche parallelen Anpassungen bei nicht näher miteinander verwandten Pflanzengattungen mit dem Fachbegriff Konvergenz. Unterscheiden kann man Aloen und Agaven zum einen an der Lage des Fruchtknotens in ihren Blüten (bei Aloe oberständig in der Blütenröhre eingeschlossen, bei den Agaven unterhalb der Blütenblätter) und zum anderen durch den inneren Aufbau der Blätter. Agavenblätter enthalten im Inneren zähe Längsfasern (daher dienen manche Arten als Faserlieferanten, wie z.B. die Sisal-Agave), Aloen enthalten keine solchen Fasern, sondern haben ein saftiges, gelartiges Inneres.

Im Botanischen Garten können Vertreter beider Gattungen besichtigt werden: In der Eingangshalle (Halle A) und im Mexikohaus (Haus 6) findet man die Agaven, in der letzten Halle (Halle C) und im Kleinen Sukkulentenhaus (Haus 5) die Aloen.

Kommen Sie und sehen Sie sich das und vieles mehr in unseren Gewächshäusern an. Ein Besuch lohnt sich immer!

Bilder

(Text: Ehrentraud Bayer)

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