Giftpflanzen:
Diese Früchte ess' ich nicht!
Giftpflanzen! Vorsicht, die darf man nicht essen,
heißt es, manche am besten nicht einmal berühren.
Aber welche Pflanzen sind eigentlich wirklich giftig?
Jedem wird dazu auf Anhieb eine andere Pflanze einfallen: die
Tollkirsche, die Engelstrompete, die
Eibe, der Stechapfel, der
Goldregen, das Maiglöckchen, der
Eisenhut, der Seidelbast, der
Hahnenfuß, der Riesen-Bärenklau,
die Einbeere, die Herbstzeitlose, das
Immergrün. Die Reihe ließe sich noch lange
fortsetzen.
Fest steht jedenfalls, dass der Mensch schon in
allerfrühester Zeit lernen musste, giftige und ungiftige Pflanzen
auseinander zu halten. Steinzeitmenschen, deren Ernährung
größtenteils aus selbst gesammelten Wildfrüchten und
Wildgemüse bestand, konnten ihr Überleben nur durch gute Kenntnisse
der verschiedenen genießbaren und ungenießbaren Pflanzen sichern.
Heutzutage ist die Fähigkeit, giftige Pflanzen zu erkennen,
für den direkten Nahrungserwerb zumindest hierzulande nicht mehr
lebensnotwendig. Es ist jedoch trotzdem speziell für Kinder, ihre Eltern
und die erwachsenen Begleiterinnen und Begleiter wichtig, Bescheid zu wissen,
welche Wild- oder Zierpflanzen unserer Umgebung unbedenklich oder
gefährlich sind.
Zu leicht passiert es, dass Kinder im Spiel von köstlich
aussehenden Beeren kosten oder Blätter mit Früchten im Spielkochkurs
zu Spinat und Marmelade verarbeiten und anschließend möglicherweise
verzehren. Dann ist es wichtig, dass Eltern die verwendeten Pflanzen kennen und
über den möglichen Giftigkeitsgrad informiert sind. Noch besser ist
es natürlich, wenn die Kinder wissen, welche Beeren und Samen sie nicht
essen dürfen und welche Blätter als Gemüse ungeeignet sind.
Lernen können Kinder so etwas am besten von jemandem, der sich in der
Botanik der Giftpflanzen auskennt und vorführt, welche Pflanzen giftig
sind und wie man sie am besten erkennt.
Wie giftig eine Pflanze wirkt, hängt außer von
ihren Inhaltsstoffen natürlich auch von der verzehrten Menge (Dosis) und
der Dauer der Einwirkung ab. Als besonders giftig werden aus unserer heimischen
Flora z. B. die Tollkirsche (Atropa belladonna) und
die bekannte, spät blühende Herbstzeitlose
(Colchicum autumnale) eingestuft. Drei bis vier
Tollkirschen können unter Umständen für ein
Kind bereits tödlich sein, ebenso die geringe Menge von 1,5 g Samen der
Herbstzeitlose.
Eine gute Gelegenheit zur Information ist die von Frau Gertrud
Beck angebotene Führung zum Thema "Diese Früchte ess' ich
nicht" am Sonntag, dem 23. September 2007, um 14.00 Uhr. Bei einem
Rundgang im Garten, der ins System und zu den Nutzpflanzen führt, geht
Frau Beck dabei auf verschiedene giftige Pflanzen ein.
Tollkirsche, Atropa belladonna
Familie: Solanaceae (Nachtschattengewächse)
Eine unserer giftigsten heimischen Pflanzen. Die krautige
Staude kann 1,5 m hoch werden. Die kirschenartig aussehenden Früchte
reifen im August und September zu glänzenden schwarzen Beeren, die sehr
appetitlich aussehen. Sie enthalten im Gegensatz zu einer echten Kirsche
zahlreiche kleine Samen. Giftig ist die gesamte Pflanze. Vergiftungen erfolgen
meist durch den Verzehr von Beeren. 3 bis 4 Beeren können für kleine
Kinder tödlich sein. Vergiftungserscheinungen treten innerhalb
einer Viertelstunde auf; unter anderem sind dies Unruhe, Rededrang,
Halluzinationen, Tobsuchtsanfälle (daher die Bezeichnung
Tollkirsche), heftiges Herzklopfen, Sehstörungen,
Mundtrockenheit, Schluckbeschwerden. Der Tod tritt durch Atemlähmung ein.
Gemeiner Stechapfel, Datura stramonium
Familie: Solanaceae (Nachtschattengewächse)
In Mitteleuropa findet sich diese weltweit verbreitete Pflanze
vorwiegend auf Schuttplätzen und auf Ödland. Zu erkennen ist sie
leicht an ihren trichterförmigen weißen Blüten und den
stacheligen Früchten. Unreif sind sie grün gefärbt, im reifen
Zustand braun. Sie enthalten zahlreiche schwarze Samen. Die gesamte Pflanze,
besonders aber die Wurzeln und die Samen sind giftig. Manche
Datura-Arten, so auch diese, wurden seit frühen Zeiten als
Gifte und Rauschmittel verwendet. Die Anwendung ist äußerst
risikoreich.
Herbstzeitlose, Colchicum pannonicum
Familie: Colchicaceae (Zeitlosengewächse)
Alle Teile der Herbstzeitlosen enthalten das
giftige Alkaloid Colchicin, ein Kapillar- und Mitosegift.
Vergiftungserscheinungen treten meist erst mit zwei bis sechs Stunden
Verzögerung ein. Die Symptome äußern sich zunächst in
einem Brennen im Mund. Es folgen Schluckbeschwerden, Übelkeit und
Erbrechen mit oft blutigen Durchfällen. Je nach Dosis kann es vor allem
bei Kindern bis zum Tod durch Atemlähmung oder Kreislaufversagen kommen.
Häufig beobachtet man auch Nierenschädigungen. In der Literatur wird
eine Sterblichkeit von 90% angegeben. Die Herbstzeitlose
stammt ursprünglich aus Westasien und Teilen des östlichen
Mittelmeerraums. Heute ist sie weit verbreitet in Süd-, Mittel- und
Westeuropa.
Fotos: Rieke Jakumeit, Botanischer Garten
München-Nymphenburg
Text: Ehrentraud Bayer