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Der Botanische Garten feiert 2014
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Randbereich
Gewächshausplan

Tropische Schmetterlinge

Inhalt

Schaugewächshäuser

Die den Besuchern zugänglichen Teile des Gewächshauskomplexes umfassen etwa 4.500 m² Fläche.


Links und rechts vor dem Gewächshauseingang befinden sich Informationstafeln.

Von drei großen, in West-Ostrichtung hintereinander liegenden Hallen gehen seitlich kleinere Spezialhäuser ab. Die erste der großen Hallen ist trockenheitsliebenden Pflanzen aus Amerika, die letzte der gleichen Pflanzengruppe aus der Alten Welt gewidmet. Sie rahmen das zentrale Tropenhaus mit seiner 21 m hohen Kuppel ein.

Das erste Haus rechts nach dem Eingang ist das Orchideenhaus mit einer reichen Auswahl der über 2000 Orchideenarten, die der Botanische Garten in Kultur hat. Dann folgen das Haus mit den tropischen Nutzpflanzen und das im Sommer feucht-heiße Victoriahaus, das im Winter Kalthauspflanzen birgt. Als nächstes schließt sich das Wasserpflanzenhaus mit den 15 Aquarien an, gefolgt von zwei Häusern mit Sukkulenten, von denen das letzte den großen Kakteen gewidmet ist.

Auf der Nordseite, gleich links nach dem Eingang öffnet sich als erstes ein Kalthaus, das im Sommer zahlreiche Zierpflanzen zeigt; dahinter liegt ein Warmhaus mit epiphytischen Farnen. Danach schließen sich das Baumfarnhaus mit Begonien und Gesnerien und das urweltliche Cycadeenhaus an. Das letzte linke Seitenhaus gehört den Bromelien-, Ingwer- und Aronstabgewächsen.

Bei ausgewählten Pflanzen befinden sich rote dreieckige Nummernschilder. Sie sind wichtig für die Audioführung. Über die Nummern können Informationen (Deutsch, Englisch) am tragbaren Abspielgerät abgerufen werden.

Großes Kakteenhaus (Halle A)

In der lichten, den Trockenheit liebenden Pflanzen der Neuen Welt gewidmeten Halle beginnt der Rundgang durch die Schauhäuser. Gneis und Sand bilden eine für die Wüsten und Halbwüsten Amerikas typische Landschaft nach. Hier fallen vor allem die eindrucksvollen Kugel- und Säulenkakteen sowie die mächtigen Agaven auf. Die konsequente geographische Beschränkung auf einen Erdteil wird nur in den Randbereichen der Halle durchbrochen, etwa von der prachtvoll blühenden Strelitzia reginae aus Südafrika.


Sukkulenten im Eingangsbereich der Schaugewächshäuser

Die Pflanzen, die in niederschlagsarmen Gebieten wie Wüsten, Halbwüsten, trocken Felsfluren und Grasländern gedeihen, nennt man Xerophyten. Diese haben verschiedene Methoden entwickelt, um auch lange Trockenperioden überstehen zu können. Einige überziehen ihre Blätter mit einer derben, ledrigen Haut, um so die Verdunstung stark herabzusetzen. Andere speichern das zu Regenzeiten kurzfristig verfügbare Wasser in fleischig-saftigen Geweben und werden daher als Sukkulenten (Saftpflanzen) bezeichnet. Als Wasserspeicher können Wurzeln, Stämme und Blätter dienen. Wurzelsukkulenten sind selten, während Stamm- und Blattsukkulenten häufig vorkommen. Bei den Stammsukkulenten gibt es Formen, die das kostbare Nass nur im knollig verdickten Stamm oder Fuß speichern, während andere den gesamten Spross mit Haupt- und Seitenästen als Wasserreservoir nutzen.

Orchideenhaus (Haus 1)

Das Orchideenhaus schließt südlich an das Kakteenhaus an. Hier wachsen vor allem Orchideen, aber auch zahlreiche weitere Pflanzen mit feuchtwarmen Klimaansprüchen.


Vanda-Orchidee im Eingangsbereich des liebevoll gepflegten Tropenparadieses.

Viele unterschiedliche Blütenpflanzen lassen die Üppigkeit und Vielgestaltigkeit tropischer Sträucher und Kräuter nur erahnen.


Bis zu 40 Gelb- und Rotwangenschildkröten beim Beobachten der Besucher.

Neben dem zentralen kleinen Wasserbecken erheben sich mächtige Baumstämme mit verschieden Aufsitzerpflanzen (Epiphyten). Dahinter blühen, fast das ganze Jahr über die bananenverwandten großen Heliconien. In den Seitenbeeten stehen Tropenpflanzen der verschiedensten Familien, die in den unterschiedlichen Jahreszeiten ihre Blüten zeigen.

Für die akustische Atmosphäre eines Urwalds sorgen kleine tropische Baumsteigerfrösche (Dendrobates auratus, Epipetobates tricolor), die durch ihr lautes grillenhaftes Zirpen auffallen, aber nur sehr schwer zu finden sind.


Zwei grüne Leguane (Iguana iguana), Iggy & Pop, beim Sonnenbad im Separee hinter Glas

Nicht alle Orchideen benötigen hohe Temperaturen zu ihrem Wachstum, aber die prächtigsten und wertvollsten Arten dieser Pflanzenfamilien sind in solchen Klimaregionen beheimatet. Durch ihre Exklusivität und ihren hohen Handelswert wurden viele Orchideen in ihrer Heimat nahezu ausgerottet. Deshalb sind alle geschützt; ihr Handel ist gesetzlich reglementiert.


Verschiedene Orchideen in der Schauvitrine

Die Orchideen besitzen eine spektakuläre Lebensstrategie. Der gesamten Pollen, der bei den übrigen Blütenpflanzen in Staubform vorliegt, ist bei den meisten Orchideen-Arten zu Pollenpaketen (Pollinien) vereinigt. Deswegen ergeben sich sehr hohe Samenmengen nach erfolgreicher Bestäubung. Es wurden schon Mengen von über einer Million Samen pro Samenkapsel gezählt. Die Samen sind dementsprechend staubfein, sie besitzen kein Nährgewebe und sind aufgrund ihres geringen Gewichtes gut flugfähig.
Erreicht ein Orchideensame einen geeigneten Pilz, so wird er infiziert. Er beginnt zu keimen, nachdem er Teile der Pilzhyphe verdaut hat. Normalerweise geht die Orchidee eine dauerhafte Bindung zu ihrem Pilz ein. Der Pilz erschließt ihr verschiedene Mineralien, die Orchidee gibt ihrem Partner überschüssige Kohlenhydrate ab. In unseren Gewächshäusern gedeihen die Orchideen auch ohne ihre Symbiosepilze. In der Natur ist die Keimungsrate sehr gering, denn die Wahrscheinlichkeit, den geeigneten Pilz innerhalb der kurzen Lebensdauer zu finden, ist minimal.

Palmenhaus (Halle B)

Schlanke Palmen, überwachsen von saftig grünen Aronstabgewächsen, bestimmen den Charakter des Palmenhauses, welches ein realistisches Bild des tropischen Urwaldes bietet. Auffallend durch wenige blühende Pflanzen, aber beeindruckend durch die Vielfalt der Wuchsformen, lädt das Palmenhaus zum Verweilen ein. Sein Klima ist angenehm, und durch seine großen Pflanzen gibt es den Eindruck von der Mächtigkeit tropischer Regenwälder.


Das Palmenhaus findet sich in stilisierter Form im Logo wieder.

Die Palmen sind typische Vertreter tropischer Regenwälder. Mit ihren schlanken Stämmen betonen sie die Höhe des Gewächshauses. Im Gegensatz zu den Bäumen weisen Palmen kein Dickenwachstum auf, sie erreichen schon als Jungpflanzen ihren endgültigen Stammdurchmesser und wachsen dann nur noch in die Länge. Während ihre Blüten meist unscheinbar klein sind, die meisten werden vom Wind bestäubt, ist die Gestalt der oft riesigen Blattwedel mannigfaltig. So gibt es zwischen fast kreisrunden, fächerartigen Blättern und meterlangen gefiederten Blattwedeln alle Übergangsformen. Viele der Palmenfrüchte werden vom Menschen genutzt, wie die Kokosnuss oder die Dattel. Den größten Samen im Pflanzenreich bildet die Seychellenpalme; er kann bis zu 18 kg schwer werden. Die Blätter und Blattstiele zahlreicher Palmenarten liefern Fasern, die vor allem von Eingeborenen verwendet werden.

Nutzpflanzenhaus (Haus 2)

In tropischer Vielfalt zeigt sich das zweite südliche Seitenhaus mit seiner Mischung aus bekannten und weniger bekannten Nutzpflanzen verschiedener Erdteile. Zwei große Mittelbeete beherbergen vor allem hochgewachsene, meist baumförmige und in Plantagen kultivierte Nutzpflanzen wie Banane, Kakao und Papaya. In den seitlichen, höher gelegenen Bereichen sind niedrigere Sträucher, Stauden und Kräuter unterschiedlichster Herkunft und Nutzung ausgepflanzt.

Zahlreiche tropische Nutzpflanzen sind aus unserem täglichen Leben nicht mehr wegzudenken. Moderne Transportmöglichkeiten haben uns die Früchte vieler in unserem Klima nicht kultivierbarer Pflanzen so zugänglich gemacht, dass sie uns ebenso vertraut sind wie einheimisches Obst. Wie aber sieht die Bananenstaude aus, wie wächst der Kakaobaum, wie die Ananas, was hat es eigentlich mit dem Zuckerrohr auf sich, woher hat die Erdnuss ihren Namen, ist die Vanille überhaupt eine Pflanze? Antworten auf diese und viele andere Fragen gibt das Nutzpflanzenhaus. Zu seinem vielfältigen Bestand, zu dem die schon angeführten Nahrungs- und Gewürzpflanzen zählen, gehören aber auch Nutzhölzer, Faser- und Färbepflanzen, etwa Mahagoni, Baumwolle und der Orleanstrauch, aus dessen Samen man einen roten Farbstoff gewinnt.

Victoriahaus (Haus 3)

Dieses Haus schließt sich südlich an das große Palmenhaus an und besticht durch seine Konstruktion. Die feuchtheiße Schwüle tropischer Niederungen empfängt den Besucher an warmen Sommertagen im Victoriahaus. Im Wasserbecken, das von zahlreichen blühenden Kletterpflanzen umrankt wird, entfalten tropische Seerosen ihre ganze Pracht.


Die großblättrige Victoria, wird Anfang Februar ausgesät und blüht bereits im Hochsommer. Ihre kreisrunden Blätter erreichen einen Durchmesser von nahezu zwei Metern. Sie liegen flach auf dem Wasser, haben einen aufgebogenen Saum und auf der Unterseite ein Netz von kräftigen, bestachelten und luftgefüllten Rippen. Auf einem Blatt kann ohne weiteres ein Kleinkind sitzen.


Einige Arten öffnen ihre Blüten erst am Abend und bleiben bis frühmorgens geöffnet.

Gut sichtbar, nahe der Balustrade, erheben sich weit über dem Wasserspiegel die schildförmigen, lang gestielten Blätter der ab Juli blühenden Lotosblumen. Anders als bei der Victoria, die jedes Jahr neu ausgesät wird, werden bei den Lotosblumen die Wurzelstöcke überwintert. Sie bleiben in ihren Pflanzgefäßen und treiben rasch wieder aus, wenn sie im Frühjahr ins Wasser gesetzt werden.

Im Winter stehen im entleerten Wasserbecken Kalthauspflanzen aus verschiedenen Erdteilen. Sie schätzen niedrige Temperaturen ebenso wie die zahlreichen Zierpflanzen, die mit ihren Blüten Farbe ins Haus bringen.

Wasserpflanzenhaus (Haus 4)

Dem sommerlichen Victoriahaus ähnelt in Temperatur und Luftfeuchtigkeit das sich südöstlich an das Palmenhaus anschließende Wasserpflanzenhaus. Während rechter Hand die Wasserpflanzen in ihrer Unterwasserform präsentiert werden, bietet sich linker Hand dem Pflanzenfreund die Möglichkeit, Wasser- und Sumpfpflanzen in ihrer Überwasserform kennenzulernen.


Während der Wintermonate findet hier die Ausstellung von lebenden tropischen Schmetterlingen statt. Bei Sonnenschein flattern diese besonders lebhaft durchs Gewächshaus.


Große Sumpfpflanzen in der Mitte, zahlreiche Sumpfbeete rechts, 15 Aquarien links

Die beiden mittleren Sumpfbecken sind größer werdenden Sumpfpflanzen vorbehalten, das südlichste Becken mit zahlreichen Fischen beherbergt Mangrovepflanzen, niedrige Bäume, die im Salzwasser sumpfiger Küstenbereiche tropischer Meere wachsen.


Anna, ein Riesengurami (Osphronemus goramy), beeindruckt durch ihre Größe. Vorsicht, sie schnappt sogar nach der Kamera!
Neben den Sumpf- und Wasserpflanzen haben sich zahlreiche Pflanzen zu Schwimmpflanzen entwickelt. Sie erschließen sich so einen Lebensraum, der den fest wurzelnden Pflanzen verwehrt bleibt. Die unterschiedlichsten Möglichkeiten des Schwimmens sind hier verwirklicht. Einige bilden ein schwammiges, luftgefülltes Gewebe, um Auftrieb im Wasser zu gewinnen. Bei der Wasserhyazinthe Eichhornia crassipes, sind es die Blattstiele, die als Schwimmkörper dienen, wie auch bei dem gelegentlich schwimmenden Farn Ceratopteris. Bei Neptunia oleracea sind die Sprosse und bei Ludwigia helminthorrhiza die Wurzeln eigens dafür umgebildet. Andere Schwimmpflanzen besitzen stark wasserabstoßende Blattoberflächen, wie die Gattungen Azolla und Salvinia sowie der Wassersalat Pistia stratiotes, hervorgerufen durch dichte und samtige Behaarung.

Fleischfressende Pflanzen (Haus 4a)

Tiere fressen Pflanzen: das beeindruckt niemanden – Pflanzen fressen Tiere: das klingt aufregend. Die fleischfressenden Pflanzen töten nicht, um zu überleben, sondern "nur", um ihren Lebensstandard aufzubessern. Die Beutetiere müssen zu den Pflanzen kommen. Nicht wenige Arten sind attraktiv gekleidet oder auch parfümiert und locken so ihre Opfer an. Deren Rückzug wird dann auf unterschiedliche Weise verhindert.


Karnivoren hinter Glas

Als Karnivoren bezeichnet man Pflanzen, die Tiere fangen und chemische Bauteile ihrer Opfer verwenden. Gut ausgerüstete Karnivoren erzeugen selber Verdauungssäfte, andere überlassen die Vorarbeiten Hilfskräften wie Bakterien. Die Opfer der (südafrikanischen) Roridula-Arten werden von Raubwanzen und Spinnen ausgesaugt, welche deren Fallen überlisten. Die klebrigen Verdauungsreste werden zumindest teilweise auf den Blättern abgesetzt und von der Pflanze sicherlich als Dünger genutzt. Man sollte die Roridula-Arten deshalb, entgegen der üblichen Auffassung, auch als Karnivoren betrachten.

Im Freiland (Ökologische und Genetische Abteilung) finden sich weitere Karnivoren in den kleinen Glashäusern und Moorbecken.

Afrika- und Madagaskarhaus (Halle C)

Betritt man de letzte der drei großen Hallen, fühlt man sich beim ersten Anblick an die Pflanzen der Eingangshalle erinnert. Was Gestalt und Standortansprüche betrifft, so gibt es tatsächlich Gemeinsamkeiten. Auch hier wachsen an trockenes Klima angepasste Stamm- und Blattsukkulenten, die jedoch ganz anderen Familien angehören als die Xerophyten der Neuen Welt in Halle A. Es handelt sich vor allem um Wolfsmilchgewächse mit kakteenähnlicher Gestalt und Aloen mit fleischigen Blättern, die in Afrika und Madagaskar zu Hause sind.


Euphorbien und Aloen

In den Trockengebieten, auf Madagaskar, Sokotra und den Maskarenen sowie in Südarabien ist die große, etwa 300 Arten umfassende Gattung Aloe beheimatet. Einige krautige, stark sukkulente Arten werden bei uns häufig als Zierpflanzen im Topf gehalten. Es gibt bei dieser Gattung jedoch auch strauchige und sogar baumförmige Wuchsformen. Aus dem gelben Saft der Blätter einiger Aloe-Arten wird durch Eintrocknen ein bitteres, offizinelles Harz gewonnen, das schon im Altertum in der Heilkunde Gebrauch fand. Die aus Aloe gewonnene Droge diente unter anderem als mildes Abführmittel. Im Orient wurde Aloe auch zur Einbalsamierung genutzt. Der frische Saft der fleischigen Blätter war in Europa zum Kühlen von Wunden und zur Wundheilung gebräuchlich. Heute verwendet man den Aloe-Extrakt wegen seiner antibakteriellen Wirkung als Bestandteil in Hautpflegemitteln. Die in diesem Zusammenhang bekannteste Art ist Aloe vera (Synonym Aloe barbadensis), die vom Mittelmeergebiet bis Südarabien und Ostafrika verbreitet ist. Sie wurde von den Spaniern in die Neue Welt gebracht, die sie bereits 1650 auf Barbados in großen Plantagen zur Gewinnung des Aloe-Harzes kultivierten.

Kleines Sukkulentenhaus (Haus 5)

Da die meisten hier ausgestellten Trockenheit liebenden Pflanzen aus Afrika stammen, bezeichnet man dieses Haus auch als Afrikahaus. Auf der Westseite werden hinter Glas botanische Kostbarkeiten gezeigt, wie zum Beispiel die urtümliche Welwitschia mirabilis, die "Lebenden Steine" (Lithops) und seltene Aloe-Arten.


Größere Pflanzen in der Mitte, Kakteen links, andere Sukkulenten rechts

Im Mittelbeet stehen größere Sukkulenten, die überwiegend in Südafrika heimisch sind. Das ebenfalls durch Glas geschützte Beet an der Ostseite ist Sukkulenten aus der Neuen Welt gewidmet, vor allem kleineren Kakteen. Der Besucher kann so im direkten Vergleich sehen, dass sich in verschiedenen Erdteilen unabhängig voneinander ähnlich aussehende sukkulente Formen als Anpassung an gleichartige Lebensbedingungen in Trockengebieten gebildet haben.

Pflanzen sind auf der ganzen Welt verbreitet und gedeihen in den unterschiedlichsten Klimazonen. Sie ertragen große Kälte oder Hitze, dauernde Nässe oder stark wechselnde Befeuchtung; selbst die aufgrund ihres Wassermangels vegetationsfeindlichen Trockengebiete der Erde wurden von den Pflanzen als Lebensraum erobert. Die an Trockenheit adaptierten Pflanzen der einzelnen Erdteile sehen sich oft sehr ähnlich. Die unabhängige Entwicklung gleicher Merkmale (z.B. Sukkulenz) in Abhängigkeit von gleichen äußeren Bedingungen (z.B. Trockenheit) in verwandtschaftlich weit entfernt stehenden Gruppen bezeichnet man als Konvergenz. Ein sehr bekanntes Beispiel ist die "Kakteenform". Charakteristisch dafür sind die meist vollständige Reduktion der Laubblätter und der verdickte Spross, der die Aufgabe der Assimilation übernimmt und daher grün gefärbt ist. Die typische kakteenartige Wuchsform entwickelte sich in Amerika bei der Familie der Cactaceae (Kakteengewächse) und in Afrika sogar bei zwei weiteren systematisch sehr unterschiedlichen Familien, den Euphorbiaceae (Wolfsmilchgewächsen) und den Asclepiadaceae (Schwalbenwurzgewächsen).

Mexikohaus (Haus 6)

Das letzte südliche Seitenhaus ist das Mexikohaus. Auf kleiner Fläche sind hier beeindruckend viele verschiedene Kakteen und andere sukkulente und Trockenheit liebende Pflanzen aus Amerika ausgestellt. Sie vermitteln eine Vorstellung von der Pflanzenwelt und vom trockenen Klima ihrer Heimatländer.

Beim Betreten des Mexikohauses fällt der Blick zunächst auf die den Raum beherrschenden Säulen- und Kugelkakteen (Cactaceae); auch die charakteristischen, einprägsamen Silhouetten der Agaven (Agavaceae) erkennt man sofort. Erst bei näherem Hinsehen entdeckt man auch niedrigwüchsige oder polsterförmig wachsende Kakteen und Pflanzen aus anderen Familien. Dazu gehören Dickblattgewächse (Crassulaceae), Pfeffergewächse (Piperaceae) und Ananasgewächse (Bromeliaceae).

Die bekanntesten an trockene Lebensbedingungen angepassten Blütenpflanzen sind die Kakteen. Die Bezeichnung "Kaktus" wurde zum Inbegriff aller stechenden fleischigen Pflanzen und wird daher fälschlicherweise oft auch auf dornige Sukkulenten angewendet, die zu ganz anderen Verwandtschaftskreisen gehören und mit den Kakteen nur eine äußere Ähnlichkeit gemeinsam haben. Die meisten Kakteen tragen Dornen. Diese sitzen besonderen, kissenartigen Strukturen auf, die als Areolen bezeichnet werden; sie sind gräulich oder bräunlich gefärbt, oft auch weißfilzig oder behaart. Sie entstehen durch extreme Verkürzung oder Umbildung von Seitentrieben. Die Blattanlagen dieser reduzierten Seitentriebe entwickeln sich statt zu Blättern zu Dornen, Borsten oder steifen Haaren. An den Areolen werden außer den Dornen auch Seitenverzweigungen und Blüten gebildet. Die ansehnlichen, oft leuchtend gefärbten Blüten der Kakteen sind fast immer zwittrig. Sie bestehen aus zahlreichen, schraubig stehenden Blütenhüllblättern, vielen Staubblättern und einem unterständigen Fruchtknoten mit einem mehrästigen Griffel. Die äußeren Blütenhüllblätter sind grün; der Übergang zu den inneren, weiß, gelb, orange, rot oder violett gefärbten Blütenblättern ist oft fließend.

Araceen- und Bromelienhaus (Haus 8)

Das nordöstlichste der sechs vom Palmenhaus wegführenden Seitenhäuser ist den fast ausschließlich aus Amerika stammenden Bromelien, den weltweit verbreiteten, aber hauptsächlich tropischen Araceen und anderen, durch ihre Blattfärbung auffallenden Tropenkräutern wie den Marantaceen gewidmet. Ein kleiner Bach bringt zusätzlich Leben in die feuchtwarme Tropenwelt. Am Ende des Hauses stehen und hängen hinter Glas besondere Kostbarkeiten aus dem Reich der Bromelien.

Die meisten Bromelien wachsen auf anderen Pflanzen, denen sie als Epiphyten aufsitzen, sich aber selbst ernähren. Fast alle sind sie daher gewöhnt, mit dem Wasser hauszuhalten, es zu sammeln oder sogar aus der Luft aufzunehmen. Sie gehören wie alle typischen Pflanzen dieses Hauses zu den Einkeimblättrigen. Zu ihnen gesellen sich die Aronstabgewächse mit ihren oft riesigen Blattflächen. Sie zeichnen sich durch kolbige Blütenstände aus, die von einem Hochblatt, der sogenannten Spatha, umgeben werden. Die Einzelblüten sind sehr klein und sitzen an einer fleischigen Achse. Ebenfalls großblättrig sind die oft in grellen Farben blühenden Bananengewächse, während die Marantaceen ihren Schmuck hauptsächlich auf eine vielfältige Blattzeichnung beschränken.

Cycadeenhaus (Haus 9)

Mit dem Haus der Cycadeen (Palmfarne) betritt man den Teil der Gewächshausanlage, der in seiner Konstruktion seit dem Bau der Schauhäuser am wenigsten verändert wurde. Der abgesenkte Weg, der an seinem hinteren Ende durch einen grottenartigen Felsdurchbruch führt, ist gesäumt von den mächtigen Kübeln der Cycadeen, diesen urweltlich anmutenden, ursprünglichen Samenpflanzen. Anfangs war diese Halle allerdings den Baumfarnen vorbehalten, die seit den 50er-Jahren, nachdem sie hier durch Infektionen fast völlig vernichtet worden waren, im Haus 10 ausgestellt werden.

Man kann mit Recht die Cycadeen als lebende Fossilien bezeichnen. Ihr deutscher Name "Palmfarne" ist allerdings eher irreführend. Es sind keine Farne und auch keine Palmen, denen sie nur in der Wuchsform und in der teilweisen ähnlichen Blattgestalt gleichen. Es handelt sich bei ihnen vielmehr um eine Parallelgruppe der Nadelhölzer, von denen sie sich aber unter anderem durch die riesigen, wedelartigen Blätter unterscheiden. Bereits aus dem Karbon sind fossile Reste von ihnen bekannt. In der Kreidezeit, vor über 65 Millionen Jahren, war diese Pflanzengruppe besonders reich entwickelt. Die heutigen Reste, 10 verschiedene Gattungen mit etwa 100 Arten, sind auf die Tropen und Subtropen beider Hemisphären beschränkt. Die Münchner Sammlung mit etwa 30 Arten ist besonders wegen ihrer alten Exemplare nahezu einmalig.

Baumfarnhaus (Haus 10)
und Geweihfarnpavillon (Haus 12)

Farne, "da blüht nichts, die sparen wir uns", so hört man gelegentlich Gartenbesucher sagen. Nun, es trifft zu, dass die Farngewächse keine Blüten im üblichen Sinn bringen. Es gibt jedoch bei Farnverwandten durchaus mit Blüten Vergleichbares. Bei den Farnen läuft vieles anders. Sie vermehren sich zum Beispiel mit (einzelligen) Sporen, nicht mit Samen. Man könnte sie als alternativ bezeichnen, doch treffen Eigenschaftswörter wie altertümlich oder konservativ besser zu. Zugegeben, die Farnverwandtschaft macht nicht mit auffällig gefärbten Blütenblättern auf sich aufmerksam; sie hat aber trotzdem ihre Schönheiten. Die Triebe sind großzügig geformt bis filigran gegliedert und dabei meist recht elegant gestaltet. Wenn die Farnverwandten auch in kalten Hochgebirgszonen eindringen und nicht einmal Gebiete mit Trockenzeiten völlig aussparen, so siedeln sie doch bevorzugt in gleichmäßig warmen bis kühlen Bereichen ohne längere Trockenzeiten: Die überwiegende Mehrzahl ist nicht winterhart und muss im Gewächshaus kultiviert werden.


Im kühleren Haus 10 und im wärmeren Haus 12 sind fünf sehr unterschiedliche Gruppen von Farnverwandten dauernd vertreten, nämlich die Psilotum-Gewächse, die Bärlapp-Arten, die Moosfarne, die Schachtelhalme und die Farne im engeren Sinn.


Geweihfarnpavillon

Kalthaus (Haus 11)

Dieses Haus ist ebenso wie das Victoriahaus einem starken Jahreszeitlichen Wechsel unterworfen. Im Winter finden hier zahlreiche Kübelpflanzen aus milderen Klimaten einen vorübergehenden Unterschlupf und erfreuen schon ab Weihnachten durch eine erste und immer üppigere Blüte. Im Sommer treten an ihre Stelle viele Topfpflanzen, etwa Knollenbegonien oder Fuchsien, die, obwohl Exoten, heute aus unseren Gärten nicht mehr wegzudenken sind.


Azaleen und Kamelien erfreuen im Winter mit ihrer Blütenpracht

Die Pflanzen aus Gebieten mit Mittelmeerklima benötigen im Winter keine hohen Temperaturen, müssen aber frostfrei und genügend feucht gehalten werden, denn in dieser Zeit liegt ihre Hauptwachstumsperiode. Sie stammen aus Südafrika, Mittelchile, Kalifornien, dem europäischen Mittelmeergebiet sowie aus den Hartlaubgebieten Ostaustraliens und Tasmaniens. Im Sommer benötigen sie frische Luft und werden zum großen Teil durch bei uns beliebte Topfpflanzen ersetzt. Neue und bewährte Sorten von feurigen Knollenbegonien, eleganten Fuchsien, Pelargonien mit aromatischen Blättern und üppig gelben Pantoffelblumen machen dieses Haus zu einer bunten sommerlichen Blütenpracht. Die großartigen Engelstrompeten bilden im Mittelbeet eine gegen Abend faszinierend duftende Gruppe.