Georeferenzierung unserer Bäume

Im Jahre 1804 begannen die Planungen zum Bau eines Botanischen Gartens in der damaligen aufstrebenden Residenzstadt München. Er lag nördlich des Karlsplatzes, zwischen der Elisenstraße und der Sophienstraße und wurde 1812 eröffnet. Heute ist dieser erste Botanische Garten Münchens eine öffentliche Grünfläche im Herzen der Münchener Innenstadt und trägt bis heute den Namen „Alter Botanischer Garten“. Als Franz von Paula von Schrank als Gartendirektor die Leitung dieses Gartens übernahm, standen dort nur wenige einheimische Bäume (Kolb, 1867, S. 3). Zum Zeitpunkt der offiziellen Eröffnung am 23. Mai 1812 waren aber bereits 5.714 Sträucher und Bäume gepflanzt worden (Grau, 2014a, S. 23). Durch die stetige Pflanzung neuer Arten konnte der Garten bereits 1829 mit über 7.600 Arten aufwarten (Schrank & Martius, 1829) und 1851 mit über 10.000 Arten (Grau, 2014a, S. 24). Eine eigenständige Baumsammlung, ein Arboretum, besaß der damalige Garten aber nicht. Bäume und Sträucher waren vielmehr zum Windschutz an der östlichen und westlichen Flanke des großen Gartens gepflanzt worden (Kolb, 1867, S. 20).

Große Veränderungen brachte der Beschluss der Bayerischen Regierung von 1854 auf dem Gelände des Botanischen Gartens einen Glaspalast für die allgemeine deutsche Industrieausstellung zu bauen. Dies führte einerseits zu einem großen Flächenverlust des Gartens, andererseits zum Verlust von Bäumen (Kolb, 1867, S. 6). 1867 gab es im 'Alten' Botanischen Garten nur noch rund 500 Bäume und Sträucher (Kolb, 1867, S. 19). Durch das rasche Wachstum der Stadt und ihrer Industrialisierung kam es außerdem zu einer Zunahme der Luftverschmutzung, welche sich schädigend auf den Pflanzenbestand auswirkte. Der 1891 neuberufene Direktor Karl von Goebel (1855 - 1932) trieb daher energisch den Bau eines neuen Gartens voran. Nach mehreren Fehlversuchen die Regierung von der Notwendigkeit einer Verlegung des Botanischen Gartens von der Innenstadt in einen weiter außen liegenden Bezirk zu überzeugen, stimmte die bayerische Abgeordnetenkammer schließlich 1908 einer Verlegung des Gartens zu, und 1909 begannen die vorbereitenden Arbeiten auf dem ausgewählten Areal nahe dem Nymphenburger Schlosspark. Nach einer Bauzeit von nur 5 Jahren wurde der Botanische Garten München-Nymphenburg am 10. Mai 1914 offiziell eröffnet (Renner, 2014a, S. 12).

Das Freigelände des neuen Botanischen Gartens (in Nymphenburg) gliedert sich in große, eigenständige Abteilungen, darunter ein Arboretum. Derzeit beherbergt der Botanische Garten 19.936 Arten und Unterarten (Stand 24.04.2018, Dr. Andreas Gröger, Datenbank des Botanischen Gartens) auf einer Fläche von 21,2 ha, wovon 18 ha öffentlich zugänglich sind. Während die meisten dieser Arten in den Gewächshäusern kultiviert werden, ermöglicht das gemäßigte Klima Münchens, auch eine große Vielfalt von Baum- und Straucharten im Freiland zu kultivieren. Davon sind etwa 90% nicht in Deutschland heimisch, was den großen wissenschaftlichen Wert des Gartens nochmals unterstreicht (Renner, 2014b). Zur Dokumentation der Pflanzenherkünfte werden seit 1991 alle Akzessionen in einer digitalen Datenbank erfasst. Auch ein Großteil der Zugänge aus den vorherigen Jahren wurde in die Datenbank übernommen.

Im Jahr 2011 wurden die fast 2.000 Bäume des Botanischen Gartens georeferenziert, also mit exakten GPS-Angaben zu Breiten- und Längengrad versehen. Dies geschah auch damit die regelmäßige Baumsicherheits-Kontrolle, die durch eine Fremdfirma durchgeführt wird, effizienter ablaufen kann.
In den Jahren 2012 bis 2014 wurden unsere Bäume und Sträucher mit neuen wissenschaftlichen Beschriftungen versehen, wobei ihre geographischen Herkünfte mit unserer Bestandsdatenbank abgeglichen wurden.

Große Ansicht

Zum 1. September 2017 schalteten wir eine Online-Seite für Smartphones, Tablets und PCs frei, die es dem Besucher ermöglicht, die Bäume des Freilandes schnell auf einer Karte unseres Gartens zu finden. Bisher läuft die Suche über die wissenschaftlichen Namen, von denen lediglich die ersten zwei Buchstaben eingetippt werden müssen, damit eine Liste der möglichen Namen erscheint. Die meisten unserer Bäume und Sträucher sind nicht in Deutschland heimisch und haben deshalb keinen deutschen Namen. Für die einheimischen Bäume werden wir noch eine Suchfunktion mit den deutschen Namen einrichten.

Text: Prof. Dr. Susanne S. Renner, Botanischer Garten München-Nymphenburg

Zitate

Grau J. (2014a): Der Alte Botanische Garten. Botanischer Garten München, MünchenVerlag, München, pp. 18-29

Grau J. (2014b): Karl von Goebel: Der Vater des Gartens. Botanischer Garten München, MünchenVerlag, München, pp. 30-37

Kolb M. (1867): Der königliche botanische Garten in München. Verlag von Hermann Manz, München, 58 pp.

Renner S.S. (2014a): Geschichte des Botanischen Gartens München. Botanischer Garten München, MünchenVerlag, München, pp. 10-17

Renner S.S. (2014b): 100 Jahre Botanischer Garten München-Nymphenburg. Berichte der Bayerischen Botanischen Gesellschaft, 84, 35-38.

Schrank F.v.P. von & Martius C. von (1829): Hortus Regius Monacensis. Central-Schulbücher-Verlage, München, 224 pp.

Danksagung

Finanziert mit Hilfe der Elfriede und Franz Jakob Stiftung für Forschung am Lehrstuhl für Systematische Botanik und Mykologie der Ludwigs-Maximilians-Universität München.